Bericht heute in der Bayerischen Rundschau Kulmbach:
Ein einmaliges Fan-Museum
Ein Besuch im Altstadt-Kultmuseum in der Bayreuther Markgrafenhalle lohnt sich
„Das hier ist ein Werk von Bekloppten“, zeigen sich Christian Höreth (33) und Jürgen „Alf“ Rank (32) einig, wenn sich die Initiatoren des Altstadt-Kultmuseums über ihr Werk unterhalten.
Ihr Werk, das ist ein Museum rund um die SpVgg Bayreuth und den Fußball inner- und außerhalb Deutschlands. Das erste seiner Art. Ein Fanmuseum ist bislang einmalig in Oberfranken, vielleicht sogar in Deutschland. Und darauf sind die beiden fußballverrückten Typen nicht zu unrecht stolz.
Ihr Stolz ist aber eigentlich nicht das Museum. Es ist die SpVgg Bayreuth. Vor zweieinhalb Jahren kam ihnen und 30 anderen SpVgg-Änhängern die Idee, einen Raum anzumieten und für 22 Euro monatlich einen ehemaligen Feuerlöschladen mit gelb-schwarzen Utensilien zu bestücken.
Fanklub „Oldschdod-Kult“
Und die Jungs vom „Oldschdod-Kult“, wie ihr Fanklub 1990 getauft wurde, können fast täglich neue Unikate aufnehmen, die dem in den Bayreuther Markgrafenhallen angesiedelten Museum sein unnachahmliches Flair geben.
Interessant wurde es bei der Bestückung meist dann, wenn zu fortgeschrittener Stunde über längst vergangene Zeiten der „Oldschdod“ sinniert wurde.
Über „Mr. Doornkaat“ beispielsweise, einem Schiedsrichter, der einst ein reguläres Tor, der SpVgg im Bundesliga-Relegationsspiel gegen Bayer Uerdingen nicht anerkannte.
Die einhellige Meinung der SpVgg-Verehrer: Er sei schuld daran, dass die SpVgg bis in die Niederrungen der Landesliga abstieg. Schließlich ist klar, dass Bayreuth auch aus der 1. Bundesliga unabsteigbar gewesen wäre.
Es schafft auch nicht jeder Verein, in fünf Zweitligajahren fünfmal auf einem Abstiegsplatz zu enden, und dreimal durch Lizenzentzüge die Liga doch noch zu erhalten. Aber der Blick der kleinen, aber feinen Altstädter Anhängerschaft ist auch in die Zukunft gerichtet. Nicht mehr zurück zu den Utensilien, die man im Museum bestaunen kann.
2008: Champions-League-Sieg
In Richtung Champions-League-Sieg 2008. Der ist in den Planungen des Fanklubs fester Bestandteil. Und – kein Gag – demnächst ist ein erster Schritt geplant. Mit der aktuellen Bayernligamannschaft will man den heiligen Rasen im Old Trafford besichtigen. Manchester United wurde bereits kontaktiert.
Außerdem will man das Mitwirken an der Bayreuther Museumsnacht, bei der man erstmals an einer Diskussionsrunde zum Thema „Die Oldschdod und Richard Wagner vor dem Hintergrund der französischen Revolution“ dabei war, als jährlichen Bestandteil im Kalender Aufnehmen.
Neue Sympathien
Dabei sammelte man neue Sympathien. Schließlich moderierte Christian Höreth eine illustre Gesprächsrunde mit Masseur Walter Sewzik, dem unvergesslichen SpVgg-Torwart Wolfgang Mahr, Peter Emmerich, Pressesprecher der Bayreuther Festspiele, und Dr. Sven Friedrich, verantwortlicher Macher des Richard-Wagner-Museums. Wie hat es doch der bekennende Nicht-Fußballer Friedrich spitz formuliert: „Warum hat man die erfolgsversprechende Trainingsmethode der Geotine abgeschafft?“ Besser kann man Kult und Nonsens nicht vereinen in der Markgrafenhalle zu Bayreuth. Ein Gebäude übrigens, das zum Besitz von Gerd Schmelzer, früherer Präsident des 1. FC Nürnberg, gehört. Alles Fußball halt. Kurzum: Ein Besuch im Altstadt-Kultmuseum lohnt sich auf jeden Fall – nicht nur für Fußball-Fans.
Andreas Bär
Sympathisch beschrieben!
