Der letzte macht das Licht aus.....
.....oder, den Letzten beissen die Hunde?
Es gibt kein Zurück, der Traditionsverein SpVgg Weiden, welcher 2009 das 85-jährige Gründungsjubiläum feierte und dessen Profi-Fußballabteilung, ebenfalls im letzten Jahr in die Regionalliga aufsteigen konnte, dieser große Weidener Verein ist ab morgen 01.12.10 nur noch Geschichte.
Viele Fragen hatte heute der Insolvenzverwalter, Herr Rechtsanwalt Waldherr (Nbg.) zu beantworten und auch der, seit April 2010 gewählte 2. Vorstand, Herr Hannes Beer, stand der Presse zur Verfügung.
Herr RA Waldherr eröffnete seine Darstellungen zur finanziellen und wirtschaftlichen Situation des angeschlagenen Vereins mit der Feststellung, dass die Schulden mehr als 1 Mio.€ betragen, dass kein Geld da ist, um diese Schulden zu bedienen, dass aber die vorhandene „Insolvenz-Masse“ ausreiche, um die Kosten für das Insolvenzverfahren gerade noch aufbringen zu können. Dabei handele es sich um den schmalen Betrag von nur einigen 10.000.-€. Die Entscheidung über Annahme und Ablehnung trifft aber das Amtsgericht, bei welchem morgen, den 01.12.10 die Insolvenz angemeldet werde.
Der Insolvenzverwalter habe mit allen bisherigen Sponsoren und Gläubigern gesprochen, aber es war kein einziger bereit, dem Verein zu helfen:
„Ich kann nur klar und deutlich sagen, dass ich überall Ablehnung erfahren habe! Niemand war für die Aufrechterhaltung des Vereins!“
Herr Waldherr machte auch deutlich, dass die nicht abwendbare Insolvenz den gesamten Verein mit allen Abteilungen treffe.
Im Raum steht nun als Alternative, dass die jeweiligen Abteilungsleiter der einzelnen Sportgruppen sich schnellstens zusammenfinden, um einen, oder mehrere neue Vereine zu gründen, diese wirtschaftlich abzusichern verstehen, damit in Weiden der Vereinssport noch eine Zukunft haben kann. Schließlich stehe, z.B. für die Fußball-Abteilungen, der totale Abstieg ins Haus, wenn nicht innerhalb der nächsten drei Monate der Spielbetrieb in deren Kategorien in einem neuen Verein weitergeführt würde.
Herr Hannes Beer, 2.Vorsitzender der SpVgg meinte, dass man das nicht so eng sehen müsse, da ohnehin die Plätze unbespielbar seien und innerhalb der nächsten drei Monate die Neuanfänge zu realisieren seien.
Nach Rücksprache des Insolvenzverwalters mit den Abteilungsverantwortlichen herrsche dort bereits Aufbruchstimmung und auch der DFB steht zum Jugend-Sport. Der DFB will daher die Förderungszahlungen für die Weidener Fußballjugend weiter gewähren, weil weil er den Stützpunkt Weiden, unabhängig von der Insolvenz, nicht aufgeben möchte.
Man rechne auch hier mit der Gründung von einem oder zwei neuen Vereinen, damit Weiden nicht dauerhaft ohne sportliche Möglichkeiten sei.
Auch Herr OB Seggewiß habe zugesagt, dass die Stadt auch weiterhin die benötigten Sportstätten zur Verfügung stellen wolle.
Allerdings sei der finanzielle Zustand der gesamten SpVgg „so desolat, dass es keine andere Lösung, als die Schließung des Vereins gibt, weil keinerlei Liquidität vorhanden ist“! Er meinte darauf hinweisen zu müssen, dass auch die Hoffnung auf einen Neuanfang in der Bayernliga nur dann möglich sei, wenn das finanzierbar ist. Vielleicht gibt es ja dann Finanziers, welche den Neustart unterstützen, damit sich eine neue Fußballwelt wirtschaftlich darstellen läßt.
Herr Beer will die gesamte Vereinsführung zusammenbringen, um auszuloten ob und wie ein neuer Verein gegründet werden könne, er werde das „scharf“ angehen, sodaß innerhalb einer Woche die Entscheidungen stehen. Zum Einwand von Stadträtin Angerer, aber man müsse doch hier alle Mitglieder mit einbinden, meinte Herr Beer:
„Wenn es einen neuen Verein gibt, dann gibt´s auch eine Gründungsversammlung, da können die Mitglieder mitreden und sich entscheiden!“
Herr Waldherr fügte hinzu, dass er heute alle Mitglieder anschreiben ließ, um sie über die Situation zu informieren, insbesonders, dass der Spielbetrieb eingestellt sei und er habe dabei auch gebeten, sich mit den Abteilungsleitern in Verbindung zu setzen.
Die Spieler und Mitarbeiter (insges. ca. 60 Arbeitnehmer) sind ebenfalls freigestellt, bzw. wurden gekündigt, um weitere „Massebelastungen“ zu vermeiden.
Auf die Nachfrage, woher nun diese hohe Schuldensumme von 1 Mio.€ komme, nachdem vorher erst von etwa 500.000.- €, dann von 800.000.- € die Rede war, meinte Herr Insolvenzverwalter sehr allgemein:
„Diese 1 Mio. € resultiert aus Schulden bei der Berufsgenossenschaft, bei der Steuer, hinzugekommenen Löhnen für Mitarbeiter, weitere Warenlieferungen und Darlehen der fritschnahen Firma!“
Auf die Frage eines Weidener Sportjournalisten, ob bei der Rechnungslegung wohl „getrixt“ wurde, meinte Herr RA Waldherr: „ Man könnte wohl sagen, dass es strafrechtliche Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Strafrecht ist aber nicht Gegenstand des Insolvenzverfahrens, jedoch liegen Haftungsansprüche gegen die Organe des Vereins im Bereich des Möglichen!“
Der Weidener Sportjournalist hakte nach:
„Bei Antrag auf Lizensierung waren doch Aufstellungen über die zu erwartende Einnahmen und Ausgaben einzureichen, die Tatsachen klaffen aber weit auseinander. Das waren ja Luftschlösser, die gemeldet wurden?“
Insolvenzverwalter:
„Es gibt starke Anhaltspunkte dafür, dass die Lizenz nicht erteilt worden wäre, wenn dem DFB sämtliche Unterlagen vorgelegt worden wären. Die Unterlagen des Vereins haben den DFB irregeführt. Es wurden Unterlagen dem DFB vorenthalten, das begründet auch zivilrechtl. Haftungsansprüche, deshalb habe ich auch den DFG zur Stellungnahme aufgefordert. Strafrechtlich kann das auch eine Rolle spielen!“
Frage aus dem Journalistenkreis:
„Wer hat eigentlich die Unterlagen eingereicht?“
Herr Beer, erst seit April diesen Jahres 2.Vorsitzender der SpVgg und, nachdem es keinen 1. Vorsitzenden mehr gab, war er zusammen mit Herrn Matthias Rieß, Kassier, für den Verein verantwortlich. Nun sah er sich nun zu einer Erklärung veranlaßt:
„Wegen der nun vorgeworfenen Verantwortlichkeit möchte ich etwas weiter ausholen. Die Stadt Weiden hat für 1.Mio.€ im Jahr 2009 ein Stadion, nur für den Profiverein zum Aufstieg in die Regionalliega, bauen lassen. Dieser erste Schritt geschah ohne mich, für die Finanzgeschäfte haben Herr Fritsch und Herr Aschauer die Verantwortung. Ich und Herr Rieß sind erst im April 2010 in ein laufendes Verfahren eingestiegen. Wir hatten nur zwei Wochen, um uns einzuarbeiten und die Zahlen ad absurdum zu führen. Jeder neugewählte Politiker hat dafür eine Schonzeit von 100 Tagen. Im Mai hätten wir schon die Insolvenz herbeiführen können, das war in dem Zeitraum, als am z.B. die Stadt aus dem Streit mit der SpVgg, am 21.04.10, die restlichen Baurechnungen für das Stadion übernahm. Ich habe dem Herrn OB Seggewiß zu diesem Zeitpunkt über die Finanzlage berichtet und er meinte,
´es wäre ein Supergau für die Stadt, wenn die SpVgg nun Insolvenz anmelden würde´!
Das hat dazu geführt, dass das Verfahren nicht eingeleitet wurde. Wir haben zwischenzeitlich die Planzahlen zur Verfügung gestellt, Matthias Rießund ich glauben trotzdem alles richtig gemacht zu haben, zumal wir ja erst so kurzfristig in das laufende Verfahren eingestiegen sind.
Auf die Frage, ob er glaube, dass dafür Aschauer haftbar zu machen sei, meinte Herr Beer:
„Er hat als Geschäftsführer fungiert!“
Auf eine weitere Frage an den Insolvenzverwalter, wie hoch denn die Forderungen der Stadt Weiden an den Profi-Verein und die SpVgg insgesamt seien, konnte oder wollte Herr Waldherr keine Auskunft geben, auch nicht auf den Hinweis, dass er das doch in etwa schätzen könne, nachdem er doch die Gesamtschulden des Vereins zusammengetragen habe.
Stattdessen meinte er, dass die Stadt der Spielvereinigung ein 1 Mio.€ teures Stadion errichtet habe und nun der größte Leidtragende durch die Insolvenz sei.
Ganz so ist das jedoch nicht.
Mit der Betriebseinstellung des Vereins durch Insolvenz, verliert die Stadt nicht den Wert ihres Stadions, im Unterschied zu anderen Gläubigern, die wohl alle auf ihren Schulden sitzenbleiben werden.
Die Stadt Weiden verliert aber Prestige und Ansehen, zuförderst in der Weidener Bevölkerung, erntet Spott und Schadenfreude von ausserhalb, wegen dieses „Luftschlosses“ ihres OB Seggewiß, welcher den Bau mit allen Mitteln betrieb und damit nicht nur die Spieler unter Leistungszwang, sondern auch den gesamten Verein unter Erfolgsdruck setzte.
Warnungen und Kritik am teuren „Schmuckkästchen“, entgegnete Herr Seggewiß mit dem flapsigen Hinweis:
„Fußball wird erst ab der Regionalliga gespielt!"
Jetzt wird gar kein Fußball mehr gespielt, aber dafür
beissen die beiden Letzten, Herrn Beer und Herrn Rieß, die Hunde!
(Luise Nomayo)