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Das Bamberger Fußball-Märchen
Bayernliga-Tabellenführer 1. FC Eintracht spielte gegen Jahn vor 7000 Zuschauern
Was sich derzeit im Bamberger Fußball abspielt, ist für Außenstehende fast nicht zu begreifen. Der Fusionsverein 1. FC Eintracht führt als Aufsteiger souverän die Bayernliga-Tabelle an und freut sich über einen unglaublichen Zuschauerzuspruch. Am Freitagabend gegen den SSV Jahn Regensburg kamen über 7000.
BAMBERG - Auch am frühen Freitagabend war im weitläufigen, wenig liebevoll „Hauptkampfbahn“ genannten Stadion im Volkspark wieder einiges los. Über 7000 (!) Zuschauer haben ihren 1. FC Eintracht Bamberg im Bayernliga-Spitzenspiel gegen Titelfavorit SSV Jahn Regensburg nach Kräften unterstützt, und als der phantastische Aufsteiger nach rund 90 spannenden Minuten wiederum einen Sieg (2:1) feiern durfte, wollte der Jubel einfach kein Ende nehmen, auch spätnachts in der Altstadt nicht. Bambergs Erfolgstrainer Christoph Starke wähnt sich jedenfalls in einem „kleinen Märchen“.
Immerhin bleibt der oberfränkische Fusionsverein, offiziell am 1. April hervorgegangen aus dem traditionsreichen 1. FC 01 und TSV Eintracht, auch nach zehn Spielen unbesiegt und überraschend Tabellenführer im bayerischen Oberhaus. Entsprechend locker ist die Stimmung und gibt sich Christoph Starke, einst ein gefürchteter Innenverteidiger in Memmelsdorf und Stegaurach. Seine Begründung für das aktuelle Leistungs- und Stimmungshoch in der Domstadt klingt erstaunlich einfach.
Keine großen Namen
„Die Euphorie aus der Relegation und das dadurch gewonnene Selbstvertrauen“ seien für den Höhenflug verantwortlich, glaubt der 45-Jährige, ohne deswegen nun größenwahnsinnig zu werden. Immerhin hatten sich seine allesamt aus Bamberg und Umgebung stammenden Fußballer erst mit zwei Siegen in der Ausscheidung für die Bayernliga qualifizieren können. „Unser Ziel“, sagt Starke, ein gebürtiger Bamberger, „bleibt weiterhin der Klassenerhalt.“ Schließlich sucht man große Namen vergebens - einzig Ex-Profi Markus Grasser (unter anderem tätig beim 1. FCN) sticht heraus. 17 Spieler sind 23 Jahre oder jünger, 15 entstammen der eigenen Jugend.
Zumindest die Rahmenbedingungen würden schon höheren Ansprüchen genügen, wie etwa das Zuschauerinteresse. Mehr als 21 000 Besucher durften die „Veilchen“ zu ihren bislang fünf Heimspielen begrüßen, über 4200 im Schnitt — absolute Liga-Spitze. Bereits zur Premiere gegen Mit-Aufsteiger SV Heimstetten, nicht gerade ein Publikumsmagnet, kamen knapp 6000, nachdem eine örtliche Tageszeitung seinerzeit die Anhänger mit Freikarten mobilisiert hatte. Mittlerweile sind derartige Hilfestellungen allerdings nicht mehr nötig, um das Stadion zu füllen. „Die Region“, sagt Michael Schwital vom Fränkischen Tag, „ist einfach ausgehungert.“
Man könnte fast glauben, die Bamberger Fußball-Fans — seit Jahrzehnten eng verbunden mit den Oberliga-erprobten „Veilchen“ vom 1. FC — hätten nur darauf gewartet, dass ihr Verein wieder mit aller Macht nach oben strebt. Das Potenzial für höhere Spielklassen wäre wohl vorhanden, wenngleich Klaus Stieringer unter anderem mit den Freikarten-Aktionen etwas nachhelfen musste. Der City-Manager der Stadt Bamberg ist seit Saisonbeginn neuer Marketing-Vorstand des Fusionsvereins und vor allem damit beschäftigt, die Außendarstellung des rund 1500 Mitglieder starken 1. FC Eintracht zu verbessern.
Wie stolz man in Bamberg auf seine Fußballer ist, verdeutlicht ein Termin beim Oberbürgermeister. Im Rokokosaal des alten Rathauses wurden die Bayernliga-Aufsteiger unlängst von Andreas Starke empfangen — und durften sich sogar ins Goldene Buch der Stadt eintragen. W. LAASS
keine handbreit den rassisten.