Erster Saisonsieg: 1860 München II schlägt Darmstadt 98
Im achten Spiel klappte es mit dem ersten Saison-Erfolg. Die Löwen-U23 besiegte im Grünwalder Stadion den SV Darmstadt 98 mit 2:0 (1:0). In der 22. Minute hatte José Holebas einen katastrophalen Schnitzer der Gäste-Defensive zur 1:0-Führung genutzt, Anton Fink erhöhte in der 75. Minute auf 2:0. In der 80. Minute scheiterte Berkant Göktan noch mit einem Elfmeter an Feldspieler Marcus Mann, der für den zuvor mit Rot des Feldes verwiesenen Torwarts Bastian Becker (79.) im Tor stand.
Personal:
Gleich auf sechs Akteure musste Trainer Marco Kurz verzichten. Ralf Schmitt (Trainingsrückstand nach Patellasehnen-OP), Mischa Welm (Innenband-OP), Niklas Lercher und Tobias Bukowski (Syndesmoseband), Julian Nagelsmann (Innenbandriss im Fußgelenk) und Philipp Pentke (Wadenbeinbruch). Dazu fehlten Christian Träsch und Lukasz Szukala wegen Sperre.
Um überhaupt mit einem fast kompletten Kader gegen Darmstadt antreten zu können, mussten unter anderem Spieler bei den A-Junioren ausgeliehen werden. Fünf Spieler standen im Team, die noch für die U19 spielberechtigt sind:
Julian Ratei, Alexander Eberlein, Florian Jungwirth, Torhüter Andreas Rössl und Julian Baumgartlinger.
Spielverlauf: Darmstadt, durch die Freitagsspiele bis auf Rang 16 abgerutscht, machte gegen die „Notelf“ der Löwen von Beginn an Druck, übernahm die Initiative. Die Deckung der Gastgeber stand zunächst gut. Die erste halbwegs gefährliche Situation für das Löwen-Tor in der 11. Minute. Darmstadts Stefan Leitl hatte eine Ecke von links an den kurzen Pfosten getreten, Markus Beierle lief in den Ball hinein, aber sein Kopfball aus sechs Metern landete genau auf dem Körper von 1860-Keeper Pilipp Tschauner. Die erste Möglichkeit für die Löwen in der 18. Minute. Dennis Polak hatte im Mittelfeld in zentraler Position einen Darmstädter ausgespielt, lief durch und zog aus 30 Meter flach ab. Sein Schuss wurde gefährlich abgefälscht, landete aber zwei Meter neben dem Pfosten des Gäste-Tores. Vier Minuten nach diesem ersten Warnschuss der Sechziger ein katastrophaler Fehlpass des Darmstädter Innenverteidigers Echendu Adiele im Spielaufbau. José Holebas schnappt sich 35 Meter vorm 98er-Tor den Ball, lief links an Adiele vorbei und schoss aus 16 Metern das Leder unhaltbar für Torhüter Bastian Becker ins lange Eck zur 1:0-Führung (22.). Die nächste Großchance für die Hausherren in der 27. Minute. Benjamin Schwarz hatte aus 30 Metern abgezogen, Lilien-Torhüter Becker wehrte nach vorne ab, doch Manuel Duhnke traf das Leder per Direktabnahme aus Mittelstürmer-Position nicht richtig, so dass es links am Tor vorbeihoppelte (27.). In der 30. Minute ein Fehler im Spielaufbau der Sechziger, der Ball kam zu Alberto Mendez, der zog aufs Löwen-Tor zu, Tschauner kam ihm entgegen, verkürzte den Winkel und zum Glück für die Münchner ging der Ball um Zentimeter am Pfosten vorbei. In der 35. Minute ein technisches Kabinettstückchen von Berkan Göktan. Per Hackentrick spielte er Manuel Duhnke im 98er-Strafraum frei, dessen Flanke in die Mitte von der Torauslinie konnte Achim Pfuderer gerade noch zur Ecke ablenken. Insgesamt ging die 1:0-Pausenführung für die Löwen-U23 in Ordnung. Denn mit zunehmender Spieldauer bekam sie die Partie immer besser in den Griff. Überragend in der ersten Halbzeit: Alexander Eberlein, der im defensiven Mittelfeld viele Bälle abfing und das Spiel nach vorne schell machte, sowie José Holebas, der weite Wege ging und ein ständiger Unruheherd für die nicht ganz sattelfeste Lilien-Defensive darstellte.
Die erste Chance nach Wiederanpfiff besaßen erneut die Sechziger. Fink hatte am rechten Strafraumeck abgezogen, Becker konnte den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen über die Querlatte lenken (47.). In der 50. Minute bediente erneut Göktan mit einem genialen Pass Holebas. Dieser lief Adiele davon, sein Zehn-Meter-Schuss aus halblinker Position konnte Becker gerade noch mit einer Hand zur Ecke lenken.
Darmstadts Coach Gino Lettieri, der mit der Leistung seiner Mannschaft alles andere als zufrieden war, hatte bereits in der 53. Minute sein Auswechselkontingent erschöpft. Dann zur Abwechslung mal wieder Darmstadt gefährlich vorm Löwen-Tor. Der eingewechselte Alexander Geiger konnte sich im Strafraum durchsetzen, seine scharfe Hereingabe von der Torauslinie konnten Polak und Fabian Lamotte gegen Beierle abwehren (56.). In der 73. Minute wieder eine tolle Aktion von Holebas, der Stephan Hanke im Strafraum stehen ließ, sein Schuss aus zehn Meter aufs kurze Ecke konnte Becker gerade noch um den Pfosten ins Tor-Aus lenken (73.). Zwei Minuten später der längst überfällige zweite Treffer für die Löwen. An der Mittellinie schlug Eberlein einen Pass in die Tiefe, Fink erlief sich den Ball, Becker eilte relativ unmotiviert aus seinem Strafraum, der Löwen-Mittelfeldspieler kam zum Schuss und traf zum 2:0 ins leere Tor (75.). Aber es kam noch schlimmer für die Lilien. In der 79. Minute tauchte Göktan alleine vor Becker auf, der warf sich ihm entgegen, Göktan überlupfte im Strafraum geschickt den Keeper, der sich nur noch mit einem Foul helfen konnte. Schiedsrichter Tino Wenkel pfiff sofort Elfmeter und zeigte dem Torwart die Rote Karte (79.). Da das Auswechselkontinent bereits erschöpft war, musste Feldspieler Marcus Mann zwischen die Pfosten. Seine erste Aktion: Er parierte den von Göktan selbst geschossenen Strafstoß (80.). Danach passierte nicht mehr viel. Die Löwen-U23 feierte in ihrem achten Saisonspiel ihren ersten Sieg und verließ damit die Abstiegsränge (Platz 13).
1860 II-Coach Marco Kurz sprach seiner Mannschaft ein Kompliment aus. „Es ist nicht leicht für die jungen Spieler, in immer wieder wechselnden Formationen zu spielen“. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, „dass wir zunächst kompakt stehen“. Sein Team wäre nach „sehr, sehr nervösem Beginn“ nach dem 1:0 besser ins Spiel gekommen. „Das war eine super Einzelaktion von José“, sagte Kurz. Holebas, der vom unterklassigen SV Kahl an die Isar kam, ist bisher die Saison-Entdeckung in der Löwen-U23 schlechthin, erzielte bereits seinen dritten Treffer. Mit der zweiten Halbzeit war der Coach überaus zufrieden. „Wenn ich sehe, wie sich die Spieler in die Kabine geschleppt haben, muss ich sagen: Sie haben alles abgerufen.“ Das gelte besonders für Alexander Eberlein, der einen Schlag auf die Schulter bekam und über Schwindelanfälle klagte, sowie Benjamin Schwarz, der ebenfalls angeschlagen die Partie beendete. Für die Zukunft wünscht sich der 37-jährige Kurz, „dass der Sieg Selbstvertrauen gibt“.
Darmstadts Trainer Gino Lettieri führte die schwache Leistung seines Teams auf den Kräfteverschleiß in der vorangegangenen Woche zurück. „120 Minuten im Pokal und die 90 Minuten gegen Wehen am Mittwoch“ seien der Grund gewesen. „Es war von meiner Mannschaft kein gutes Spiel. Wir hatten die Müdigkeit und die Verunsicherung in den Knochen“, konstatierte der 40-Jährige. „Dazu haben wir uns das 1:0 selbst aufgelegt.“ Auch dem 2:0 sei ein individueller Fehler vorausgegangen. „Wieso unser Torwart da herausläuft, das weiß ich auch nicht!“
1860 II: Tschauner – Ratei, Lamotte, Polak, O’Connor – Eberlein, B. Schwarz – Fink, Duhnke – Holebas, Göktan.
Ersatz: Rössl (Tor) – Tausendpfund, Baumgartlinger, Jungwirth, Leicht, Ramaj.
Darmstadt: Becker – Mann, Adiele, Pfuderer, Wiesner – Juskic, Hanke – Mendez, Leitl– Beierle, Fischer .
Ersatz: Staniczek (Tor) – Da Veiga, Beigang, Kaesberg, Konjevic, Geiger, Dell Anno.
Wechsel:Baumgartlinger für Ratei (65.), Ramaj für Göktan (86.), Tausendpfund für Eberlein (90.) – Geiger für Fischer (46.), Da Veiga für Leitl (46.), Beigang für Wiesner (53.).
Tore: 1:0 Holebas (22.), 2:0 Fink (75.).
Gelbe Karte: Ratei, O’Connor – Da Veiga.
Rote Karte: – Becker.
Zuschauer: 500 im Grünwalder Stadion.
Schiedsrichter: Tino Wenkel (Mühlhausen); Assistenten: Frank Stettner (Ottendorf), David Paulat (Schönebürg).
Quelle: www.tsv1860.de