Nur das Gerüst steht in Eschborn
Unklare Lage beim Regionalligisten verursacht neuem Trainer Ramon Berndroth Bauchschmerzen
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Nach einer der ersten Übungseinheiten hat Ramon Berndroth, seit knapp einer Woche Trainer beim 1. FC Eschborn, das schwitzende Rudel um sich geschart und höflich um Handzeichen gebeten. "Ich wollte wissen, wer hier einen Vertrag hat und wer nur bei uns mittrainiert." Zu unübersichtlich war das bunte Treiben auf dem Rasen gewesen, der eine oder andere Kicker, noch von Vorgänger Klaus Scheer eingeladen, sich für einen Vertrag beim Fußball-Regionalligisten zu bewerben, hatte "stillschweigend" (Berndroth) weiter mit gegen den Ball getreten und "den Blick verfälscht". Nach der Zählung herrschte dann Gewissheit, wenn auch nicht Klarheit. "13 Feldspieler und ein Torwart" besitzen einen Kontrakt für die kommende Saison. Da jedoch noch nicht alle den neuen Angeboten zu verringerten Bezügen zugestimmt haben, wird es noch eine Weile dauern, so Berndroth, "bis ich eine Bedarfsstruktur erstellen kann". Die vielen Gastspieler jedenfalls hat der freundliche Übungsleiter wieder nach Hause geschickt.
Dreieinhalb Wochen vor Beginn der neuen Spielzeit blickt man vor den Toren Frankfurts noch immer in lauter fragende Gesichter. Und wartet auf verlässliche Antworten. Wer wird denn nun zukünftig im Trikot des Aufsteigers stecken? Wer lehnt das reduzierte Angebot ab? Und welche Neuverpflichtungen grinsen in naher Zukunft vom Mannschaftsfoto?
Fast täglich gibt es neue Wasserstandsmeldungen. Zuletzt etwa hieß es, der Rumäne Daniel Ciuca würde dem Verein auf jeden Fall den Rücken kehren. Gestern aber trainierte der Abwehrmann vergnügt mit im Kreis der alten Kameraden. Dann sprach Präsident Karl Müller davon, Kapitän Sead Mehic tendiere dazu, in Eschborn zu bleiben. Montagabend verabschiedete sich der Stürmer. Berndroth, der selbst noch keinen Vertrag unterschrieben hat, sich "auf das Wort des Präsidenten verlässt", nennt das "die Eschborn-spezifische Kaderbildung". Er fügt sich den Umständen, "auch wenn ich nachts mit Bauchschmerzen aufwache".
Noch kein Drittliga-Team
Der sanftmütige Trainer ist kein Mann lauter Töne, kein unbequemer Dauernörgler, niemand, der seinen Unmut über die Medien herausposaunt. Bei seiner Vorstellung hat er bescheiden auf Fragen nach der Qualität des Kaders reagiert, darauf hingewiesen, in seinem Trainerleben schon oft mit bescheidenen Mitteln viel erreicht zu haben. Doch Berndroth ist Realist genug, um zu wissen, dass er mit der aktuellen Mannschaft "gar nicht in der Regionalliga anzutreten braucht". Sieben bis acht Spieler, angefangen von Torhüter Sven Schmitt über Burhanettin Kaymak, Matthias Dworschak oder Teo Rus, bilden momentan das Gerüst. 18 Spieler, mehr nicht, so die Vorgabe von Präsidium und Aufsichtsrat, soll der Kader umfassen, Ramon Berndroth sucht keine Ergänzungsspieler, er weiß, "was gezahlt werden kann", und will doch "nicht am falschen Ende sparen". Michael Bodnar, dessen Vertrag die Offenbacher Kickers gestern aufgelöst haben, Fouad Brighache, Patrick Kirsch (beide TuS Koblenz), Mohammed Muftawu (Mainz 05) und Sebastian Metzger (Fc Eddersheim) gelten als potenzielle Neuzugänge.
"Jeder Einzelne könnte passen", sagt Berndroth, auch den Mainzer Christopher Ihm "würde ich sofort nehmen", doch der aktuelle Schwebezustand bindet dem Trainer die Hände. Mitte der Woche, hatte Präsident Müller zuletzt verlauten lassen, soll in Eschborn Klarheit herrschen. Dann könnte Berndroth, dem der neue Vereinsvorsteher sämtliche Kompetenzen für den sportlichen Bereich übertragen hat, das Gesicht der Mannschaft nach seinen Vorstellungen formen.
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Dokument erstellt am 12.07.2005 um 20:08:07 Uhr
Erscheinungsdatum 13.07.2005
Quelle:
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Also gut, einigen wir uns auf unentschieden.