London (dpa) - Guus Hiddink startet die nächste Mission: Kaum war die Verpflichtung des 62-jährigen Niederländers als neuer Chef von Michael Ballack beim FC Chelsea offiziell, versprach der er Entwicklungshilfe für die «Blues» und Schadensbegrenzung für Russlands Nationalmannschaft:
Bis zum Saisonende soll der «doppelte Hiddink» als Interimslösung beim Tabellenvierten der Premier League Ballack und Co. wieder Beine machen und nebenbei die Russen zur WM 2010 nach Südafrika führen. Diese Doppelrolle füllt er auf jeden Fall bis Ende Mai aus. Danach gilt AC Mailands Carlo Ancelotti als Favorit auf den lukrativen Posten auf Chelseas Bank
«Das russische Team wird keinen Schaden nehmen. Ich bin jetzt und werde auch in Zukunft auf die russische Mannschaft fokussiert sein», erklärte Hiddink und freute sich gleichzeitig auf den Übergangsjob in London: «Das ist eine Ausnahmesituation. Chelsea hat sehr gute Spieler, die in Topform sein sollten. Das sollte meine Arbeit einfacher machen, aber eine Woche ist nie genug, um ein neues Team vorzubereiten.» Am Samstag will er seine neue Truppe im englischen FA-Cup beim FC Watford erstmals selbst im Stadion beobachten, in der kommenden Woche dann als aktiver Übungsleiter einsteigen. Mit dem Knüller am 21. Februar bei Aston Villa wird es für ihn gleich ernst.
Taktik-Guru Hiddink, unter dessen Regie Russland 2008 immerhin ins EM-Halbfinale gekommen war, soll der zuletzt enttäuschenden Millionärstruppe aus London die Lethargie austreiben und dem Team neue Struktur und Dynamik einhauchen. Chelsea steht nach 25 Spieltagen nur auf Platz vier mit bereits sieben Punkten Rückstand auf Titelverteidiger Manchester United. Hiddink will mit seiner Zusage vor allem seinem Freund und Chelseas Club-Besitzer Roman Abramowitsch helfen. «Er hat sehr viel für den russischen Fußball getan. Jetzt möchte ich ihm etwas zurückgeben», so Hiddink, der unter anderem die Nationalteams der Niederlande, Südkorea und Australien betreut hat. Die Doppel-Belastung kennt er von seiner Zeit als Coach des PSV Eindhoven, als er nebenher Australien zur WM 2006 in Deutschland und dort ins Achtelfinale geführt hatte.
Bereits im Trainingslager mit der russischen Mannschaft an der türkischen Riviera in Belek bereitete sich Chelseas Hoffnungsträger auf seine Herausforderung in Englands Hauptstadt vor und kündigte ein zeitnahes Telefonat mit seinem Vorgänger Scolari an. Der Weltmeister-Coach der Selecao von 2002 war am 9. Februar nach nur achtmonatiger Amtszeit entlassen worden. Angebliche Intrigen gegen Scolari aus der Mannschaft wollte Ballack unterdessen nicht bestätigen.
«Wir wollten Erfolg haben. Dass das am Schluss nicht immer geglückt ist, lag sicher nicht nur am Trainer, sondern auch an uns Spielern. Scolari hat schließlich in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein erfolgreicher Trainer ist», so der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bereits vor der Verpflichtung seines neuen Chefs. Englische Medien berichteten, einige Profis hätten sich bei Abramowitsch über Scolari beschwert.
Eventuelle Beschwerden über einen Interessenkonflikt befürchtet Hiddink nicht. Bis zum Saisonende in England hat Russland nur noch zwei Qualifikationsspiele - am 28. März zu Hause gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan und vier Tage später in Liechtenstein. Diese Termine kollidieren nicht mit seinen Verpflichtungen bei Chelsea. «Es gibt doch nur zwei Szenarios», philosophierte Hiddink, «entweder sagen sie, geh' zurück in den Osten oder alles läuft gut.» Der russische Verband steht hinter ihm. «Die Nationalmannschaft ist zweifellos Priorität für ihn», sagte Verbandspräsident Witali Mutko.
Quelle: Nordbayerischer Kurier
War der auch nett mal Trainer in der Bundesliga?????????????????