SV Darmstadt 98
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schorschla
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martinez
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MysticBlue
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Das war am Samstag schon wirklich mies. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals 7 Gegentore kassiert haben. Das muss mindestens 30 Jahre her sein. Irgendetwas muss nun passieren!
Damit meine ich aber nicht den Bruno! Der wird von den Fans geliebt und ist unantastbar! Wo würden wir ohne ihn stehen? Noch in der Oberliga? Wieder in der Oberliga? Er hat einiges bewegt in DA und dafür werden wir Fans ihm ewig dankbar sein!
Ganz anders das Präsidium und dessen machtbesessener Berater: Seit 15 Jahren ein rotes Tuch! Sollte man sich tatsächlich erlauben unseren geliebten Bruno abzusägen, ist am Samstag gegen Augsburg der Teufel los!
Wenn wir dann auch noch erwartungsgemäß gegen Augsburg und Wehen verlieren, kommen keine 30 Leute zum Auswärtsspiel zu euch.
Ich kann euch sagen, bei uns geht´s echt drunter und drüber. Ich bin noch immer fassungslos!
Damit meine ich aber nicht den Bruno! Der wird von den Fans geliebt und ist unantastbar! Wo würden wir ohne ihn stehen? Noch in der Oberliga? Wieder in der Oberliga? Er hat einiges bewegt in DA und dafür werden wir Fans ihm ewig dankbar sein!
Ganz anders das Präsidium und dessen machtbesessener Berater: Seit 15 Jahren ein rotes Tuch! Sollte man sich tatsächlich erlauben unseren geliebten Bruno abzusägen, ist am Samstag gegen Augsburg der Teufel los!
Wenn wir dann auch noch erwartungsgemäß gegen Augsburg und Wehen verlieren, kommen keine 30 Leute zum Auswärtsspiel zu euch.
Ich kann euch sagen, bei uns geht´s echt drunter und drüber. Ich bin noch immer fassungslos!
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schorschla
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katinka
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08.11.2005
Regensburg-Fahrer haben freien Augsburg-Eintritt
Präsidium und Mannschaft entschuldigen sich bei den Fans
Der SV Darmstadt 98 entschuldigt sich bei den nach Regenburg mitgereisten Fans für die schwache Leistung seiner Mannschaft. Alle, die eine Eintrittskarte für das Regensburg-Spiel vorweisen können, erhalten am kommenden Samstag eine Stehplatzkarte gratis für die Begegnung gegen den FC Augsburg. Einzulösen sind die Karten an einer der vier Stehplatzkassen. Mit dieser Aktion wollen Präsidium und Mannschaft den Fans für ihre bislang tolle Unterstützung vor allem auch bei den Auswärtsspielen danken und für eine ebenso gute Unterstützung im Spiel gegen den FC Augsburg werben.
Regensburg-Fahrer haben freien Augsburg-Eintritt
Präsidium und Mannschaft entschuldigen sich bei den Fans
Der SV Darmstadt 98 entschuldigt sich bei den nach Regenburg mitgereisten Fans für die schwache Leistung seiner Mannschaft. Alle, die eine Eintrittskarte für das Regensburg-Spiel vorweisen können, erhalten am kommenden Samstag eine Stehplatzkarte gratis für die Begegnung gegen den FC Augsburg. Einzulösen sind die Karten an einer der vier Stehplatzkassen. Mit dieser Aktion wollen Präsidium und Mannschaft den Fans für ihre bislang tolle Unterstützung vor allem auch bei den Auswärtsspielen danken und für eine ebenso gute Unterstützung im Spiel gegen den FC Augsburg werben.
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MysticBlue
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Aus der FAZ von heute:
Fehler im System
Es spricht für die vielen Merkwürdigkeiten des SV Darmstadt 98, wie der
Verein mit der historischen Niederlage am Samstag in Regensburg umgeht.
Denn mit welcher Häme sich Manager und Präsidiumsberater Uwe Wiesinger
vom lange Zeit gefeierten Trainer Bruno Labbadia und von Sportchef
Thomas Schmidt distanziert, zeigt, wie tief die Gräben in diesem
Traditionsverein sind. Labbadia hatte dem zuvor allmächtigen Wiesinger
zwischenzeitlich den Rang abgelaufen, nun macht sich der Steuerberater
daran, die Verhältnisse wieder geradezurücken.
Gewiß ist Labbadia bislang den Beweis schuldig geblieben, daß er aus der
stärksten Mannschaft in der Darmstädter Regionalliga-Geschichte einen
Aufstiegskanditaten formen kann. Der ehemalige Klassestürmer ist noch
kein Klassetrainer. Allerdings ist der aktuelle Abschwung der Lilien
jahreszeittypisch. Denn in Darmstadt setzt die sportliche Krise meist im
Herbst ein, wenn die Jahreshauptversammlung im September beendet und die
Vereinsführung von den Mitgliedern bestätigt worden ist. Zufall?
Torwart Richter soll in Regensburg gegenüber Fans von Problemen in der
Mannschaft gesprochen haben. Auch das wäre nicht neu. Denn nicht wenige
Spieler werden erst während der Saison ihre komplizierten Verträge
verstanden und frustriert festgestellt haben, dass die Prämienregelung
weniger einbringt, als sie sich vorgestellt haben. Urheber der Verträge
ist Wiesinger. Es wäre zu einfach, die Krise bei den Lilien nur auf
Labbadia zu reduzieren. Dieser Verein kommt aus den Schwierigkeiten
nicht heraus, er hat, so ist zu vermuten, einen Fehler im System.
Quelle: FAZ
Fehler im System
Es spricht für die vielen Merkwürdigkeiten des SV Darmstadt 98, wie der
Verein mit der historischen Niederlage am Samstag in Regensburg umgeht.
Denn mit welcher Häme sich Manager und Präsidiumsberater Uwe Wiesinger
vom lange Zeit gefeierten Trainer Bruno Labbadia und von Sportchef
Thomas Schmidt distanziert, zeigt, wie tief die Gräben in diesem
Traditionsverein sind. Labbadia hatte dem zuvor allmächtigen Wiesinger
zwischenzeitlich den Rang abgelaufen, nun macht sich der Steuerberater
daran, die Verhältnisse wieder geradezurücken.
Gewiß ist Labbadia bislang den Beweis schuldig geblieben, daß er aus der
stärksten Mannschaft in der Darmstädter Regionalliga-Geschichte einen
Aufstiegskanditaten formen kann. Der ehemalige Klassestürmer ist noch
kein Klassetrainer. Allerdings ist der aktuelle Abschwung der Lilien
jahreszeittypisch. Denn in Darmstadt setzt die sportliche Krise meist im
Herbst ein, wenn die Jahreshauptversammlung im September beendet und die
Vereinsführung von den Mitgliedern bestätigt worden ist. Zufall?
Torwart Richter soll in Regensburg gegenüber Fans von Problemen in der
Mannschaft gesprochen haben. Auch das wäre nicht neu. Denn nicht wenige
Spieler werden erst während der Saison ihre komplizierten Verträge
verstanden und frustriert festgestellt haben, dass die Prämienregelung
weniger einbringt, als sie sich vorgestellt haben. Urheber der Verträge
ist Wiesinger. Es wäre zu einfach, die Krise bei den Lilien nur auf
Labbadia zu reduzieren. Dieser Verein kommt aus den Schwierigkeiten
nicht heraus, er hat, so ist zu vermuten, einen Fehler im System.
Quelle: FAZ
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MysticBlue
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Trainer Bruno Labbadia wird den Fußball-Regionalligisten SV Darmstadt 98 am Saisonende verlassen.
Der 39-Jährige zog damit die Konsequenzen aus einer am Montag veröffentlichten Presseerklärung des Präsidiums, die für Spekulationen um die Entlassung des Trainers geführt hatte.
Labbadia machte am Dienstag deutlich, dass die Entscheidung „defintiv“ ist – unabhängig davon, ob der Zweitligaaufstieg glückt.
Quelle: www.echo-online.de
...mir fehlen zur Zeit die Worte...
Der 39-Jährige zog damit die Konsequenzen aus einer am Montag veröffentlichten Presseerklärung des Präsidiums, die für Spekulationen um die Entlassung des Trainers geführt hatte.
Labbadia machte am Dienstag deutlich, dass die Entscheidung „defintiv“ ist – unabhängig davon, ob der Zweitligaaufstieg glückt.
Quelle: www.echo-online.de
...mir fehlen zur Zeit die Worte...
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Wopo
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schorschla
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MysticBlue
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Ja, ich befürchts auch.Wopo hat geschrieben:Wenn das so ist, kannst Du jetzt minütlich auf die Entlassung warten...
Mann, mann, mann, innerhalb von ein paar Tagen ist alles kaputt gemacht worden. Ich sehe kurz- und langfristig keine Perspektive mehr für uns.
Dann kommen am 26.11. wohl genau 2 Auswärtsfans zu euch, nämlich Katinka und ich.
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katinka
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Oh mann, hoffentlich hört das Theater bald auf! Unter solchen Umständen, wenn quasi innerhalb des Vereins "Krieg" herrscht, ist ja ein erfolgreiches Arbeiten überhaupt nicht mehr möglich.
09.11.2005
Stellungnahme
Das 2:7-Debakel in Regensburg und die Darstellung des inneren Zustandes der Mannschaft durch den Sportlichen Leiter Thomas Schmidt in der Presse waren – sicher nicht nur für das Präsidium des SV Darmstadt 98 – ein Schock. Aus diesem Grund hatten sich die Verantwortlichen am vergangenen Montag entschlossen, unverzüglich zu Handeln und die aufgetretenen Probleme im sportlichen Bereich zu besprechen.
Damit hat das Präsidium Transparenz und Handlungsfähigkeit bewiesen. Zu keiner Zeit stand dabei der Trainer zur Disposition und entsprechende Spekulationen in den Medien waren nicht unsere Absicht.
Da Trainer Bruno Labbadia ohnehin nur einen Vertrag bis zum 30.06.2006 akzeptiert hatte, hat sich für den Verein durch dessen Erklärung nichts verändert. Das Präsidium wird weiterhin alles dafür tun, dass Mannschaft und Trainer unter optimalen Bedingungen weiter arbeiten können, um das gemeinsam angestrebte Ziel zu erreichen.
09.11.2005
Stellungnahme
Das 2:7-Debakel in Regensburg und die Darstellung des inneren Zustandes der Mannschaft durch den Sportlichen Leiter Thomas Schmidt in der Presse waren – sicher nicht nur für das Präsidium des SV Darmstadt 98 – ein Schock. Aus diesem Grund hatten sich die Verantwortlichen am vergangenen Montag entschlossen, unverzüglich zu Handeln und die aufgetretenen Probleme im sportlichen Bereich zu besprechen.
Damit hat das Präsidium Transparenz und Handlungsfähigkeit bewiesen. Zu keiner Zeit stand dabei der Trainer zur Disposition und entsprechende Spekulationen in den Medien waren nicht unsere Absicht.
Da Trainer Bruno Labbadia ohnehin nur einen Vertrag bis zum 30.06.2006 akzeptiert hatte, hat sich für den Verein durch dessen Erklärung nichts verändert. Das Präsidium wird weiterhin alles dafür tun, dass Mannschaft und Trainer unter optimalen Bedingungen weiter arbeiten können, um das gemeinsam angestrebte Ziel zu erreichen.
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katinka
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FR:
Labbadias Rückzug auf Raten
Enttäuschter Darmstädter Trainer wird den Verein zum Saisonende verlassen / Spieler reagieren geschockt
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Zwischen dem Augenblick, als Schiedsrichter Karl-Josef Metzger am Samstag gegen 20 nach vier in seine Trillerpfeife blies, um das peinliche Schauspiel des SV Darmstadt 98 in Regensburg zu beenden, und dem Moment, in dem Bruno Labbadia gestern Mittag vor eine Handvoll Journalisten trat, lagen nicht einmal 70 Stunden. Keine drei Tage, die ausreichten, um die einst heile und längst bröckelnde Welt der Lilien aus den Fugen zu heben. Der Krisensitzung, die erst am späten Montagabend endete, folgte der Rückzug auf Raten. "Ich werde den Verein definitiv zum Saisonende verlassen", verlas Labbadia mit eingefrorenen Gesichtszügen eine eilig aufgesetzte Erklärung. "Die Entscheidung ist unumstößlich" und unabhängig von der Tatsache, "ob wir aufsteigen oder nicht."
Ausschlaggebend waren anscheinend die Aussagen von Präsidiumsberater Uwe Wiesinger und eine von der Vereinsführung herausgegebene Pressemitteilung, "die ziemlich hohe Wellen geschlagen haben." Trainer und Sportlichen Leiter öffentlich zum Rapport zu bestellen und ihre Position zu schwächen, das konnte und wollte Labbadia offenbar nicht akzeptieren. "Die Art und Weise, wie gegen meine Person Stimmung gemacht wurde, hat mich arg enttäuscht."
In der Sitzung, in der es vornehmlich um die sportliche Situation gegangen sein soll, war von Abschiedsgedanken des Trainers noch keine Rede. Seine Entscheidung teilte er der Mannschaft beim Vormittags-Training mit. Die Spieler hätten gestern schockiert reagiert, heißt es. Verständnis für das übereilte Vorpreschen des Präsidiums hat niemand.
Nerven verloren
Der Trainer wird vom Darmstädter Umfeld ohnehin als Heilsbringer verehrt. Und er kann nicht nachvollziehen, warum die Führungsetage des Traditionsvereins nach dem 2:7 in Regensburg die Nerven verlor. "Wir liegen zwei Siege hinter dem Tabellenzweiten", wundert sich Labbadia. "Es ist unglaublich, über was für eine Situation wir reden. In den zweieinhalb Jahren, seit dem Tag, als der ehemalige Bundesligastürmer an seine sportliche Wiege zurückkehrte, um den gerade abgestiegenen Verein aus den Niederungen der Oberliga zu führen, ging es mit den Lilien steil bergauf. Der Wunschkandidat, zugleich Aushängeschild des Präsidiums, stärkte den Vereinsoberen zudem den Rücken, als dem SV 98 im Spätherbst 2003 die innere Zerreißprobe drohte.
Flammendes Plädoyer
Als die Oppositionsgruppe um den ehemaligen Lilien-Torhüter Dieter Rudolf an die Vereinsspitze drängte, hielt der Trainer im FR-Interview ein flammendes Plädoyer ("Das ist ein Anschlag auf das Ehrenamt") für Amtsinhaber Walter Grimm und Berater Wiesinger. Von beiden nun im ersten Augenblick, da der Verein in ein sportliches Tal zu schlittern droht, in Frage gestellt und im Regen stehen gelassen zu werden, muss ihn bitter enttäuscht haben. "Den Fehler haben sie in Augsburg nicht gemacht", sagt Labbadia über den Konkurrenten aus Bayern, der vor fast genau zwölf Monaten, Lichtjahre von den Aufstiegsrängen entfernt, im Mittelfeld der Tabelle krebste, um später mit einem Bein in Liga zwei zu stehen. "Damals sind sie dort ruhig geblieben."
Die Enttäuschung ist längst in Ernüchterung umgeschlagen, auch wenn es Labbadia tunlichst vermeidet, eine mediale Schlammschlacht anzuzetteln. Sein Vertrag wäre ohnehin am 30. Juni 2006 ausgelaufen. Dem Verein stehe es gut zu Gesicht, sagt Schmidt, der sein Schicksal nicht eng an das des Trainers knüpfen will, "dass hier einer seinen Vertrag zu Ende bringt." Das war in der jüngeren Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Und insgeheim hegen die Verantwortlichen wohl die Hoffnung, der plötzliche Rosenkrieg vom Böllenfalltor reiße zumindest die Mannschaft aus ihrer Lethargie.
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Machtkampf
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Auf die Frage, ob er kurz überlegt habe, die Brocken gleich hinzuwerfen und dem SV Darmstadt 98 lieber heute als morgen den Rücken zu kehren, hat Bruno Labbadia gestern mit einem langen Schweigen geantwortet. Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte. Das düstere Minenspiel des stummen Trainers ließ jedenfalls nicht viel Interpretationsspielraum. Er hat überlegt.
Es rumorte in ihm, es war offenbar ein innerer Kampf. Nur zu gerne wäre der eloquente Trainer wohl aus seiner adrett umhüllten Haut geschlüpft und hätte kräftig losgepoltert. Dass er in Darmstadt seit seiner Rückkehr für alle den Hampelmann mache, dass der Druck allein auf ihm laste, während sich andere im Erfolg sonnten, dass er es gewesen sei, dessen Popularität dem angezählten Präsidium geholfen hatte, im Herbst 2003 den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Und dass es nicht sein könne, dass sie ihn jetzt, da das Fußballvolk nach einer peinlichen Niederlage erstmals aufbegehrt, öffentlich demontieren.
Labbadia aber ist sich und seiner Linie treu geblieben, er hat nur zwischen den Zeilen gesprochen. Über die tiefen Gräben, die die zurückliegenden Stunden am Böllenfalltor hinterlassen haben, konnte seine schmallippige Erklärung indes nicht hinwegtäuschen. Der Bruch zwischen Trainer, Präsident Walter Grimm und Berater Uwe Wiesinger ist wohl nicht mehr zu kitten, die Fronten sind verhärtet. Und nur die wenigstens glauben an einen Zufall. Die schrittweise Demontage des beliebten Trainers wurde gezielt lanciert durch die besagte voreilige Pressemitteilung, die den Stein ins Rollen brachte.
Jetzt spätestens weiß Labbadia, dass die Machtverhältnisse im Verein nach wie vor den alt bekannten Mustern folgen. Und dass der Trainer, aller erworbenen Meriten und Beliebtheit zum Trotz, das schwächste Glied in der Kette ist. Mit seinem Rückzug auf Raten hat er den Vereinsverantwortlichen sogar in die Karten gespielt. Einen scheidenen Trainer bei anhaltener Erfolgslosigkeit zu entlassen, ist nur noch Formsache.
Gut möglich, dass Labbadia bereits im Winter die Koffer packt. Dann pausiert auch die erste Bundesliga, dann stecken sie auch dort die Köpfe zusammen. Ein Angebot aus Kaiserslautern wäre keine Überraschung.
Labbadias Rückzug auf Raten
Enttäuschter Darmstädter Trainer wird den Verein zum Saisonende verlassen / Spieler reagieren geschockt
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Zwischen dem Augenblick, als Schiedsrichter Karl-Josef Metzger am Samstag gegen 20 nach vier in seine Trillerpfeife blies, um das peinliche Schauspiel des SV Darmstadt 98 in Regensburg zu beenden, und dem Moment, in dem Bruno Labbadia gestern Mittag vor eine Handvoll Journalisten trat, lagen nicht einmal 70 Stunden. Keine drei Tage, die ausreichten, um die einst heile und längst bröckelnde Welt der Lilien aus den Fugen zu heben. Der Krisensitzung, die erst am späten Montagabend endete, folgte der Rückzug auf Raten. "Ich werde den Verein definitiv zum Saisonende verlassen", verlas Labbadia mit eingefrorenen Gesichtszügen eine eilig aufgesetzte Erklärung. "Die Entscheidung ist unumstößlich" und unabhängig von der Tatsache, "ob wir aufsteigen oder nicht."
Ausschlaggebend waren anscheinend die Aussagen von Präsidiumsberater Uwe Wiesinger und eine von der Vereinsführung herausgegebene Pressemitteilung, "die ziemlich hohe Wellen geschlagen haben." Trainer und Sportlichen Leiter öffentlich zum Rapport zu bestellen und ihre Position zu schwächen, das konnte und wollte Labbadia offenbar nicht akzeptieren. "Die Art und Weise, wie gegen meine Person Stimmung gemacht wurde, hat mich arg enttäuscht."
In der Sitzung, in der es vornehmlich um die sportliche Situation gegangen sein soll, war von Abschiedsgedanken des Trainers noch keine Rede. Seine Entscheidung teilte er der Mannschaft beim Vormittags-Training mit. Die Spieler hätten gestern schockiert reagiert, heißt es. Verständnis für das übereilte Vorpreschen des Präsidiums hat niemand.
Nerven verloren
Der Trainer wird vom Darmstädter Umfeld ohnehin als Heilsbringer verehrt. Und er kann nicht nachvollziehen, warum die Führungsetage des Traditionsvereins nach dem 2:7 in Regensburg die Nerven verlor. "Wir liegen zwei Siege hinter dem Tabellenzweiten", wundert sich Labbadia. "Es ist unglaublich, über was für eine Situation wir reden. In den zweieinhalb Jahren, seit dem Tag, als der ehemalige Bundesligastürmer an seine sportliche Wiege zurückkehrte, um den gerade abgestiegenen Verein aus den Niederungen der Oberliga zu führen, ging es mit den Lilien steil bergauf. Der Wunschkandidat, zugleich Aushängeschild des Präsidiums, stärkte den Vereinsoberen zudem den Rücken, als dem SV 98 im Spätherbst 2003 die innere Zerreißprobe drohte.
Flammendes Plädoyer
Als die Oppositionsgruppe um den ehemaligen Lilien-Torhüter Dieter Rudolf an die Vereinsspitze drängte, hielt der Trainer im FR-Interview ein flammendes Plädoyer ("Das ist ein Anschlag auf das Ehrenamt") für Amtsinhaber Walter Grimm und Berater Wiesinger. Von beiden nun im ersten Augenblick, da der Verein in ein sportliches Tal zu schlittern droht, in Frage gestellt und im Regen stehen gelassen zu werden, muss ihn bitter enttäuscht haben. "Den Fehler haben sie in Augsburg nicht gemacht", sagt Labbadia über den Konkurrenten aus Bayern, der vor fast genau zwölf Monaten, Lichtjahre von den Aufstiegsrängen entfernt, im Mittelfeld der Tabelle krebste, um später mit einem Bein in Liga zwei zu stehen. "Damals sind sie dort ruhig geblieben."
Die Enttäuschung ist längst in Ernüchterung umgeschlagen, auch wenn es Labbadia tunlichst vermeidet, eine mediale Schlammschlacht anzuzetteln. Sein Vertrag wäre ohnehin am 30. Juni 2006 ausgelaufen. Dem Verein stehe es gut zu Gesicht, sagt Schmidt, der sein Schicksal nicht eng an das des Trainers knüpfen will, "dass hier einer seinen Vertrag zu Ende bringt." Das war in der jüngeren Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Und insgeheim hegen die Verantwortlichen wohl die Hoffnung, der plötzliche Rosenkrieg vom Böllenfalltor reiße zumindest die Mannschaft aus ihrer Lethargie.
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Machtkampf
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Auf die Frage, ob er kurz überlegt habe, die Brocken gleich hinzuwerfen und dem SV Darmstadt 98 lieber heute als morgen den Rücken zu kehren, hat Bruno Labbadia gestern mit einem langen Schweigen geantwortet. Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte. Das düstere Minenspiel des stummen Trainers ließ jedenfalls nicht viel Interpretationsspielraum. Er hat überlegt.
Es rumorte in ihm, es war offenbar ein innerer Kampf. Nur zu gerne wäre der eloquente Trainer wohl aus seiner adrett umhüllten Haut geschlüpft und hätte kräftig losgepoltert. Dass er in Darmstadt seit seiner Rückkehr für alle den Hampelmann mache, dass der Druck allein auf ihm laste, während sich andere im Erfolg sonnten, dass er es gewesen sei, dessen Popularität dem angezählten Präsidium geholfen hatte, im Herbst 2003 den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Und dass es nicht sein könne, dass sie ihn jetzt, da das Fußballvolk nach einer peinlichen Niederlage erstmals aufbegehrt, öffentlich demontieren.
Labbadia aber ist sich und seiner Linie treu geblieben, er hat nur zwischen den Zeilen gesprochen. Über die tiefen Gräben, die die zurückliegenden Stunden am Böllenfalltor hinterlassen haben, konnte seine schmallippige Erklärung indes nicht hinwegtäuschen. Der Bruch zwischen Trainer, Präsident Walter Grimm und Berater Uwe Wiesinger ist wohl nicht mehr zu kitten, die Fronten sind verhärtet. Und nur die wenigstens glauben an einen Zufall. Die schrittweise Demontage des beliebten Trainers wurde gezielt lanciert durch die besagte voreilige Pressemitteilung, die den Stein ins Rollen brachte.
Jetzt spätestens weiß Labbadia, dass die Machtverhältnisse im Verein nach wie vor den alt bekannten Mustern folgen. Und dass der Trainer, aller erworbenen Meriten und Beliebtheit zum Trotz, das schwächste Glied in der Kette ist. Mit seinem Rückzug auf Raten hat er den Vereinsverantwortlichen sogar in die Karten gespielt. Einen scheidenen Trainer bei anhaltener Erfolgslosigkeit zu entlassen, ist nur noch Formsache.
Gut möglich, dass Labbadia bereits im Winter die Koffer packt. Dann pausiert auch die erste Bundesliga, dann stecken sie auch dort die Köpfe zusammen. Ein Angebot aus Kaiserslautern wäre keine Überraschung.
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FAZ - Kommentar Sport 10.11.05
Selbstherrlich
Es ist seine Entscheidung, und es gibt kein Zurück: Bruno Labbadia verläßt den SV Darmstadt 98 zum Ende der Saison. "Da er ohnehin nur einen Vertrag bis zum 30. Juni 2006 akzeptiert hatte, hat sich für den Verein nichts verändert." So steht es in der jüngsten Pressemitteilung des Vereins. Nichts verändert? Es sind solche Äußerungen, welche die Frage aufwerfen, ob im Darmstädter Präsidium einfach nur Dilettantismus am Werk ist oder aber kühle Berechnung. Jeder in Darmstadt weiß, daß sich seit Dienstag, seit Labbadias Erklärung, alles, aber auch alles geändert hat. Und das Präsidium, so ist zu vermuten, hat es genau so gewollt. Es brauchte dazu nicht mehr als eine dürre Pressemitteilung, in der sie Labbadia und dessen Vertrauten, den Sportlichen Leiter Thomas Schmidt, zum Rapport bestellte und damit öffentlich vorführte. Es mußte jedem klar sein, daß Labbadia die stil- und respektlose Behandlung nicht hinnehmen würde. Tags darauf verlas er auf einer privaten Pressekonferenz seine Entscheidung: Am Ende der Saison ist für ihn Schluß in Darmstadt. Spätestens.
Was ist eigentlich passiert? Am Samstag hat die Mannschaft in Regensburg verloren, sie hatte achtzig Minuten mit zehn Mann spielen müssen, war eingebrochen und hat nun sechs Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Es war auf dem angestrebten Weg zurück in die zweite Liga eine schwere Niederlage auch für Labbadia. Daß anschließend Gespräche geführt werden müssen, ist klar, aber ebenso klar ist, daß die Vereinsführung den Trainer in einer solchen Situation nicht öffentlich zum Rapport bestellen darf, wenn sie ihn nicht demontieren will, schon gar nicht einen wie Labbadia, dem der Verein eine Menge zu verdanken hat. Der ehemalige Klassespieler galt seit zweieinhalb Jahren als Heilsbringer, als Retter. Labbadia hat den Aufstieg aus der Oberliga geschafft, er hat eine ordentliche erste Regionalligasaison gespielt, er hat dem Verein bundesweite Beachtung gebracht, er hat dessen Image aufpoliert, er hat Sponsoren zum Mitmachen animiert, er hat für Aufbruchstimmung gesorgt, er ist geblieben, obwohl er mehrere Angebote aus der Bundesliga hatte. Und nun, bei der erstbesten Gelegenheit, führen sie ihn vor wie einen dummen Schuljungen. Sie, das sind jene Leute, denen über viele Jahre die sportliche Kompetenz fehlte, um den Verein zurück in die zweite Liga zu führen.
Aber vielleicht geht es ja gar nicht in erster Linie um den Aufstieg, vielleicht geht es nur um den Erhalt von Einfluß und Macht. Der selbstherrliche Stil des Darmstädter Präsidiums hatte sich zuletzt gezeigt, als es den Vertrag von Präsidiumsberater Uwe Wiesinger vorzeitig und ohne Not bis 2010 verlängerte - Präsident Grimm hatte dem Männerfreund Wiesinger diesen Wunsch gern erfüllt. Und auch Wiesinger war es nun, der nach der Niederlage von Regensburg alle Rücksicht fahren ließ. Ihn hatten Labbadia und Schmidt, was die sportliche Leitung betrifft, in die zweite Reihe verdrängt, nun sah er die Chance gekommen, das zu ändern. Das Ergebnis ist, daß er und das Präsidium innerhalb von ein paar Stunden vieles von dem zerstört haben, was in Darmstadt in den vergangenen beiden Jahren aufgebaut worden ist. Labbadia ist bei den "Lilien" nicht zu ersetzen, andere sind es schon. Michael Eder
Selbstherrlich
Es ist seine Entscheidung, und es gibt kein Zurück: Bruno Labbadia verläßt den SV Darmstadt 98 zum Ende der Saison. "Da er ohnehin nur einen Vertrag bis zum 30. Juni 2006 akzeptiert hatte, hat sich für den Verein nichts verändert." So steht es in der jüngsten Pressemitteilung des Vereins. Nichts verändert? Es sind solche Äußerungen, welche die Frage aufwerfen, ob im Darmstädter Präsidium einfach nur Dilettantismus am Werk ist oder aber kühle Berechnung. Jeder in Darmstadt weiß, daß sich seit Dienstag, seit Labbadias Erklärung, alles, aber auch alles geändert hat. Und das Präsidium, so ist zu vermuten, hat es genau so gewollt. Es brauchte dazu nicht mehr als eine dürre Pressemitteilung, in der sie Labbadia und dessen Vertrauten, den Sportlichen Leiter Thomas Schmidt, zum Rapport bestellte und damit öffentlich vorführte. Es mußte jedem klar sein, daß Labbadia die stil- und respektlose Behandlung nicht hinnehmen würde. Tags darauf verlas er auf einer privaten Pressekonferenz seine Entscheidung: Am Ende der Saison ist für ihn Schluß in Darmstadt. Spätestens.
Was ist eigentlich passiert? Am Samstag hat die Mannschaft in Regensburg verloren, sie hatte achtzig Minuten mit zehn Mann spielen müssen, war eingebrochen und hat nun sechs Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Es war auf dem angestrebten Weg zurück in die zweite Liga eine schwere Niederlage auch für Labbadia. Daß anschließend Gespräche geführt werden müssen, ist klar, aber ebenso klar ist, daß die Vereinsführung den Trainer in einer solchen Situation nicht öffentlich zum Rapport bestellen darf, wenn sie ihn nicht demontieren will, schon gar nicht einen wie Labbadia, dem der Verein eine Menge zu verdanken hat. Der ehemalige Klassespieler galt seit zweieinhalb Jahren als Heilsbringer, als Retter. Labbadia hat den Aufstieg aus der Oberliga geschafft, er hat eine ordentliche erste Regionalligasaison gespielt, er hat dem Verein bundesweite Beachtung gebracht, er hat dessen Image aufpoliert, er hat Sponsoren zum Mitmachen animiert, er hat für Aufbruchstimmung gesorgt, er ist geblieben, obwohl er mehrere Angebote aus der Bundesliga hatte. Und nun, bei der erstbesten Gelegenheit, führen sie ihn vor wie einen dummen Schuljungen. Sie, das sind jene Leute, denen über viele Jahre die sportliche Kompetenz fehlte, um den Verein zurück in die zweite Liga zu führen.
Aber vielleicht geht es ja gar nicht in erster Linie um den Aufstieg, vielleicht geht es nur um den Erhalt von Einfluß und Macht. Der selbstherrliche Stil des Darmstädter Präsidiums hatte sich zuletzt gezeigt, als es den Vertrag von Präsidiumsberater Uwe Wiesinger vorzeitig und ohne Not bis 2010 verlängerte - Präsident Grimm hatte dem Männerfreund Wiesinger diesen Wunsch gern erfüllt. Und auch Wiesinger war es nun, der nach der Niederlage von Regensburg alle Rücksicht fahren ließ. Ihn hatten Labbadia und Schmidt, was die sportliche Leitung betrifft, in die zweite Reihe verdrängt, nun sah er die Chance gekommen, das zu ändern. Das Ergebnis ist, daß er und das Präsidium innerhalb von ein paar Stunden vieles von dem zerstört haben, was in Darmstadt in den vergangenen beiden Jahren aufgebaut worden ist. Labbadia ist bei den "Lilien" nicht zu ersetzen, andere sind es schon. Michael Eder
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DI STEFANO
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