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Das Glück ist gelb und schwarz
31.05.2006 21:36
Die Altstadt ist seit langer Zeit mal wieder im DFB-Pokal und die Fans können sparen
fussball
Von Eric Waha
„Schau na hie - do komma se aus ihre Löcher!” Liebevolle Fanbegrüßung beim „Spiel des Jahres”, wie Stadionsprecher Christian Höreth die gestrige Schicksalspartie SpVgg Bayreuth gegen Jahn Regensburg nannte. Viele waren es nicht, das Wetter hatte die Mühen der Kult-Verantwortlichen, die aus dem DFB-Pokal-Einzugsmittwoch einen finanziellen Befreiungsschlag für die Gelb-Schwarzen machen wollten, gewaltig durchkreuzt. Gerade mal 1379 Altstadt-Fans - offizielle Angabe - kamen aus ihren Löchern, um ihre Mannschaft zum Sieg zu tragen.
Und sie, die ganz harten Fans, die bei nicht einmal zehn Grad und anfänglich kräftigem Regen ins Stadion gekommen waren, hatten weit vor Anpfiff dafür gesorgt, dass die ersten 100 Retter-T-Shirts restlos weg waren. Ausverkauft. „In der Kürze der Zeit haben wir nur 100 T-Shirts machen können, weil ja jedes ein Unikat ist”, sagt Christian Höreth, der sich als Marketingbeauftragter in den vergangenen Wochen kräftig ins Zeug gelegt hatte. „Wir haben wegen des T-Shirts, das Jürgen Rank entworfen hat, der bei Adidas gerade die Nationaltrikots für die Europameisterschaft 2008 entwirft, sogar Anfragen aus Darmstadt und Trier bekommen. Inzwischen liegen weit über 100 zusätzliche Bestellungen vor.” Wichtig sei nur gewesen, dass eben nicht Retter, sondern Erste Hilfe auf dem T-Shirt stehe - von der St. Pauli-Rettungsaktion wollte man schließlich am Roten Main nicht abkupfern.
Ob jetzt Retter oder Erste Hilfe auf dem Shirt gestanden hätte - den Altstädter Fans wäre das sicher herzlich egal gewesen. Der Slogan „Gelbe Zähne - schwarzes Herz” passt da eher wie die Faust aufs Auge. Denn die Fans haben das Herz am rechten Fleck, nehmen sich und ihre Altstädter mit genau der richtigen Portion Humor. Die Fangesänge - „we are yellow, we are black, wie are Oldschdod-Drecksäck” - sind so legendär, wie die Fans in der Liga beliebt sind. Und wer bei „Che Sera Sera” aus hundert Glenk-geölten Männerkehlen keine Gänsehaut bekommt, der ist sowieso im falschen Film. Ihren scheidenden Jungs im Altstadt-Trikot haben die Fans einen würdigen Abschied bereitet, die bedankten sich artig für die Unterstützung mit klatschnassem Rasen-Tauchen. Natürlich wurde auch für die drei mutigen Damen geklatscht, die in der Pause im Penalty-Schießen - Elfer mit Anlauf - gegen Oldschdod-Legende Seele im Tor antraten: Brigitte Merk-Erbe legte es - mit gelb-schwarzem Schal über gelbem Mantel - sogar auf einen kleinen Ringkampf mit dem Mann im Tor an.
Für die Altstädter hat sich der gestrige Mittwoch gelohnt, jetzt winken 60 000 Euro und mindestens ein Zweit-, wenn nicht sogar ein Erstbundesligist. Winken - wie der gelb-schwarze ADAC-Hubschrauber Christoph 20, der in der zweiten Halbzeit eine Ehrenrunde über dem Stadion drehte. Und das habe schließlich schon immer Glück gebracht, wie einer aus der Runde der Fans zum Himmel schickte. Für die Fans hat es sich übrigens auch gelohnt, die können mit ihrer Eintrittskarte in 20 Geschäften bis zu 25 Prozent günstiger einkaufen - „und desweng worn ma ja aa do”, wie eine Bayreutherin ziemlich bestimmt zu ihrem Mann sagte.
keine handbreit den rassisten.