Ein Duell zweier Traditionsmannschaften ist es allemal und hat auch diese Titulierung verdient.
SV Darmstadt 98
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sam
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DI STEFANO
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motorhorst
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Eben den Bericht auf HR3 gesehen.
Das 1:0 war ein Diego-Maradona-Gedächtnistor von Alex Geiger, was man aber erst in der vierten Zeitlupe sah. Die Flanke gab Christian Wiesner.
Das 2:0 ein platzierter Schuss von Alberto vom 16er.
Den Kasseler Torschützen Bauer kann man vielleicht holen, der hat ja bestimmt keinen Bock, nächstes Jahr wieder in der Oberliga zu spielen.
Das 1:0 war ein Diego-Maradona-Gedächtnistor von Alex Geiger, was man aber erst in der vierten Zeitlupe sah. Die Flanke gab Christian Wiesner.
Das 2:0 ein platzierter Schuss von Alberto vom 16er.
Den Kasseler Torschützen Bauer kann man vielleicht holen, der hat ja bestimmt keinen Bock, nächstes Jahr wieder in der Oberliga zu spielen.
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martinez
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motorhorst
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schorschla
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Mitch BT
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Hier der Thread dazu:
Überschrift: Wer stoppt den Amokläufer?
http://www.razyboard.com/system/thread- ... 13886.html
Überschrift: Wer stoppt den Amokläufer?
http://www.razyboard.com/system/thread- ... 13886.html
"Und Gott schuf Tony Iommi nach seinem Ebenbilde und führte ihn zusammen mit Terry Butler, Bill Ward und John Michael Osbourne" (Deaf Forever)
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katinka
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Der Trainer läßt Juskic draußen Die Mannschaft spielt für Lettieri
DARMSTADT. Normalerweise dreht eine Mannschaft des SV Darmstadt 98 nach Heimsiegen eine Ehrenrunde am Böllenfalltor. Am Samstag jedoch verließen die Spieler auffallend zügig und wortkarg den Rasen. Es wirkte, als ob niemand etwas zu der Personalie des Tages sagen wollte - um sich nicht um Kopf und Kragen zu reden.
Denn Trainer Gino Lettieri hatte entschieden, daß Zivojin Juskic nicht gegen Hessen Kassel mitspielen durfte. Nicht, weil der Serbe verletzt oder formschwach war; Lettieri wollte keine Extrawurst für einen Spieler braten, der nahezu die komplette nächste Woche im Darmstädter Training fehlen wird, weil er daheim in Serbien einen Lehrgang für seinen Fußball-Trainerschein besucht. Wer eine Woche nicht trainiert, der ist für Lettieri auch nicht fit genug für die Partie nächsten Freitag in Hoffenheim. Und weil ihm ständig vorgeworfen werde, zu oft die Mannschaft umzustellen, hat er Juskic schon gegen Kassel "geschont".
Lettieri hat damit eine Entscheidung getroffen, die am Samstag von der Haupttribüne mit demonstrativen "Juskic, Juskic"- sowie "Gino raus"-Rufen kommentiert wurde. Lettieri hat nämlich einen Profi ins Glied beordert, der in Darmstadt sakrosankt ist und der Deckung vom Allerhöchsten des Vereins besitzt: Präsidiumsberater Uwe Wiesinger. Der hatte vor einiger Zeit mit Juskic die Teilnahme an den Trainerkursen vertraglich geregelt - und mußte am Samstag sprachlos zur Kenntnis nehmen, wie sein Lieblingsspieler von Lettieri humorlos als normales Mannschaftsmitglied behandelt wurde. Nach der Partie war dann deutlich vernehmbar, was Wiesinger von dieser Entscheidung und vor allem vom Trainer hält.
Dumm ist nur, die längst ausgemachte Entlassung Lettieris hat dieser am Samstag selbst verhindert: Denn die "Lilien" gewannen nach fünf Niederlagen in Folge ausgerechnet gegen Kassel nach den Toren von Alexander Geiger (19. Minute) und Alberto Mendéz (49.) sowie dem Gegentreffer von Thorsten Bauer (52.) 2:1. Zwar hat Kassel eine starke Schlußoffensive gezeigt, "aber wir haben vergessen, den Ausgleich zu erzielen", wie es Trainer Matthias Hamann formulierte. Die Darmstädter Spieler dagegen haben bewiesen, daß sie an Lettieri hängen, wie eine interne Abstimmung vor Wochenfrist ergeben hatte. Denn das Team hat "mit Sicherheit auch für den Trainer gespielt", sagte Mendéz. Der Mittelfeldspieler glaubt zudem, daß diese hochemotionale Partie die Mannschaft zusammengeschweißt habe. Wer beobachten durfte, mit welcher Inbrunst nach dem Abpfiff der neue Torwart Sven Schmitt von seinen Kollegen umarmt wurde, sollte Mendéz glauben. Schmitt hatte bei seinem Debüt zwar kaum etwas zu tun, strahlte aber Ruhe und Souveränität aus, seine Abwehrkollegen wirkten dadurch etwas unaufgeregter.
Die spannende Frage ist aber, wie es mit Lettieri auch in der Sache Juskic weitergeht, denn dieses Thema beherrscht den Verein, der sich zudem an diesem Montag zur Mitgliederversammlung trifft. Wiesinger wird die Chuzpe des Trainers nicht ungesühnt lassen - weil er sich dadurch ebenfalls beleidigt fühlen dürfte. Thomas Schmidt, der Sportliche Leiter, wird wissen, daß Juskic seit Lettieris Ankunft in Darmstadt Mühe hat, den schleichenden Verlust des Status als Chef der Mannschaft zu akzeptieren, sagt aber pflichtgemäß, "daß ich es nicht zulasse, daß ein Spieler demontiert wird". Davon scheint Lettieri weit entfernt, "denn nach dem Lehrgang ist Juskic wieder voll bei uns dabei". Es geht wohl nicht nur um einen Trainerschein (dessentwegen Juskic bereits in der Partie gegen Wehen fehlte, die Darmstadt 1:2 verlor). Vielmehr wirkt dieses Theater wie ein Machtkampf, den der mächtigste Spieler im Verein vorerst gegen einen Trainer verloren hat, der vor niemandem Angst hat. "Alle 22 Spieler werden gerecht behandelt", sagt Lettieri. Also hielt er sich auch an sein Versprechen und ermöglichte gegen Kassel dem bisherigen Edelreservisten Adrian Mahr einen Einsatz - und der belohnte dieses Vertrauen mit dreißig engagierten Minuten auf der rechten Defensivseite.
So bringt man ein Team hinter sich - und rettet seinen Arbeitsplatz. Doch für wie lange? Denn die Entlassung Lettieris dürfte nur verschoben sein, und seit Samstag tanzt dieser Mann auf der Rasierklinge. Gegen Kassel hat er gezockt - und gewonnen. Aber nur wenn er weiter die Spiele gewinnt, besitzt er das einzige Argument für seine riskanten Entscheidungen. Alles andere führt ihn in die Arbeitslosigkeit. STEFFEN GERTH
Text: F.A.Z., 25.09.2006, Nr. 223 / Seite 53
DARMSTADT. Normalerweise dreht eine Mannschaft des SV Darmstadt 98 nach Heimsiegen eine Ehrenrunde am Böllenfalltor. Am Samstag jedoch verließen die Spieler auffallend zügig und wortkarg den Rasen. Es wirkte, als ob niemand etwas zu der Personalie des Tages sagen wollte - um sich nicht um Kopf und Kragen zu reden.
Denn Trainer Gino Lettieri hatte entschieden, daß Zivojin Juskic nicht gegen Hessen Kassel mitspielen durfte. Nicht, weil der Serbe verletzt oder formschwach war; Lettieri wollte keine Extrawurst für einen Spieler braten, der nahezu die komplette nächste Woche im Darmstädter Training fehlen wird, weil er daheim in Serbien einen Lehrgang für seinen Fußball-Trainerschein besucht. Wer eine Woche nicht trainiert, der ist für Lettieri auch nicht fit genug für die Partie nächsten Freitag in Hoffenheim. Und weil ihm ständig vorgeworfen werde, zu oft die Mannschaft umzustellen, hat er Juskic schon gegen Kassel "geschont".
Lettieri hat damit eine Entscheidung getroffen, die am Samstag von der Haupttribüne mit demonstrativen "Juskic, Juskic"- sowie "Gino raus"-Rufen kommentiert wurde. Lettieri hat nämlich einen Profi ins Glied beordert, der in Darmstadt sakrosankt ist und der Deckung vom Allerhöchsten des Vereins besitzt: Präsidiumsberater Uwe Wiesinger. Der hatte vor einiger Zeit mit Juskic die Teilnahme an den Trainerkursen vertraglich geregelt - und mußte am Samstag sprachlos zur Kenntnis nehmen, wie sein Lieblingsspieler von Lettieri humorlos als normales Mannschaftsmitglied behandelt wurde. Nach der Partie war dann deutlich vernehmbar, was Wiesinger von dieser Entscheidung und vor allem vom Trainer hält.
Dumm ist nur, die längst ausgemachte Entlassung Lettieris hat dieser am Samstag selbst verhindert: Denn die "Lilien" gewannen nach fünf Niederlagen in Folge ausgerechnet gegen Kassel nach den Toren von Alexander Geiger (19. Minute) und Alberto Mendéz (49.) sowie dem Gegentreffer von Thorsten Bauer (52.) 2:1. Zwar hat Kassel eine starke Schlußoffensive gezeigt, "aber wir haben vergessen, den Ausgleich zu erzielen", wie es Trainer Matthias Hamann formulierte. Die Darmstädter Spieler dagegen haben bewiesen, daß sie an Lettieri hängen, wie eine interne Abstimmung vor Wochenfrist ergeben hatte. Denn das Team hat "mit Sicherheit auch für den Trainer gespielt", sagte Mendéz. Der Mittelfeldspieler glaubt zudem, daß diese hochemotionale Partie die Mannschaft zusammengeschweißt habe. Wer beobachten durfte, mit welcher Inbrunst nach dem Abpfiff der neue Torwart Sven Schmitt von seinen Kollegen umarmt wurde, sollte Mendéz glauben. Schmitt hatte bei seinem Debüt zwar kaum etwas zu tun, strahlte aber Ruhe und Souveränität aus, seine Abwehrkollegen wirkten dadurch etwas unaufgeregter.
Die spannende Frage ist aber, wie es mit Lettieri auch in der Sache Juskic weitergeht, denn dieses Thema beherrscht den Verein, der sich zudem an diesem Montag zur Mitgliederversammlung trifft. Wiesinger wird die Chuzpe des Trainers nicht ungesühnt lassen - weil er sich dadurch ebenfalls beleidigt fühlen dürfte. Thomas Schmidt, der Sportliche Leiter, wird wissen, daß Juskic seit Lettieris Ankunft in Darmstadt Mühe hat, den schleichenden Verlust des Status als Chef der Mannschaft zu akzeptieren, sagt aber pflichtgemäß, "daß ich es nicht zulasse, daß ein Spieler demontiert wird". Davon scheint Lettieri weit entfernt, "denn nach dem Lehrgang ist Juskic wieder voll bei uns dabei". Es geht wohl nicht nur um einen Trainerschein (dessentwegen Juskic bereits in der Partie gegen Wehen fehlte, die Darmstadt 1:2 verlor). Vielmehr wirkt dieses Theater wie ein Machtkampf, den der mächtigste Spieler im Verein vorerst gegen einen Trainer verloren hat, der vor niemandem Angst hat. "Alle 22 Spieler werden gerecht behandelt", sagt Lettieri. Also hielt er sich auch an sein Versprechen und ermöglichte gegen Kassel dem bisherigen Edelreservisten Adrian Mahr einen Einsatz - und der belohnte dieses Vertrauen mit dreißig engagierten Minuten auf der rechten Defensivseite.
So bringt man ein Team hinter sich - und rettet seinen Arbeitsplatz. Doch für wie lange? Denn die Entlassung Lettieris dürfte nur verschoben sein, und seit Samstag tanzt dieser Mann auf der Rasierklinge. Gegen Kassel hat er gezockt - und gewonnen. Aber nur wenn er weiter die Spiele gewinnt, besitzt er das einzige Argument für seine riskanten Entscheidungen. Alles andere führt ihn in die Arbeitslosigkeit. STEFFEN GERTH
Text: F.A.Z., 25.09.2006, Nr. 223 / Seite 53
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schorschla
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Libero
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Altstadt Geist
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ich freu' mich in erster linie für die darmstädter fans, die wandern jahr für jahr durch das tal der tränen. für diese jungs hoffe ich wirklich, dass jetzt der knoten geplatzt ist und zur aufholjagd geblasen wird...wäre ja nicht die erste unter gino und da wird sich die stimmung auch wieder pro gino wenden...geil fand ich in der sportschau die aussprache "saiaja": SATSCHATSCHA...
also auf geht's lilien
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katinka
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Herrlich; diese beiden Artikel sind ja an Dramatik auch kaum mehr zu überbieten
Ob das noch steigerungsfähig ist?!
Auf wackeligen Beinen
Weil der SV Darmstadt 98 den Sieg gegen Kassel über die Zeit rettet, bleibt Trainer Gino Lettieri vorerst im Amt
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Es war in den Minuten kurz vor dem Anpfiff der zum Schicksalsspiel auserkorenen Partie, als das Stimmenwirrwarr aus der Darmstädter Kabine zu einem tosenden Gebrüll anstieg und wie ein Donnerhall über den fast menschenleeren Gang unter der Haupttribüne fegte. Die Mannschaft, hatte Kapitän Stefan Leitl unter der Woche im Brustton der Überzeugung gesagt, stehe hinter Trainer Gino Lettieri, so bedingungslos, wie er es in elf Profijahren noch nicht erlebt habe. Oft sind die Treueschwüre nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Nicht mehr als Worthülsen, wie vor einem Jahr, als die Spieler des SV 98 nach der unrühmlichen Klatsche in Regensburg und der peinlichen Posse um Bruno Labbadia Himmel und Hölle in Bewegung und ein Zeichen für ihren Ex-Trainer setzen wollten und die angekündigte Reaktion doch schuldig blieben. Jetzt grölten sie sich vor dem Spiel gegen Kassel die Seele aus dem Leib, und als die Stollenschuhe auf dem Weg ins Freie über den Beton klackerten, klang es bemerkenswert entschlossen und irgendwie bedrohlich.
Nach sechs Niederlagen in der Meisterschaft und im Pokal und dem ungebremsten Sturz auf den vorletzten, den siebzehnten Tabellenplatz, befand Nico Beigang, "stand die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand und wir wollten dieses Spiel für uns unbedingt gewinnen." Sie hat gewonnen, nach Toren von Alexander Geiger (19.) und Alberto Mendez (49.) sowie dem prompten Anschlusstreffer von Thorsten Bauer (51.) mit 2:1. Und als Sven Schmitt, der neue Ruhepol zwischen den Pfosten, den armen Mendez, den er mit seinen Pranken umarmt und geherzt hatte, dass einem Angst werden konnte, losgelassen hatte, ergänzte der Spielmacher, "dass wir mit Sicherheit auch für den Trainer gespielt haben." Bei einer Niederlage, so war es hinter den Kulissen längst entschieden und an die Öffentlichkeit gedrungen, wäre Lettieri die längste Zeit Trainer am Böllenfalltor gewesen. Und weil er am Samstag Zivojin Juskic auf der Tribüne setzte (siehe nebenstehenden Bericht), hätte er dann vermutlich nur unter Geleitschutz das Stadion verlassen können.
Kein Wort von Genugtuung
Ein Spießrutenlauf war es ohnehin, und nun skandierte die aufgebrachte Masse vor, während und nach dem Spiel den Namen des Publikumslieblings. "Man hört von außen, wie auf den Trainer eingehauen wird und dass die Fans nicht hinter einem stehen", beschrieb Mendez die groteske Szene. "Was im Moment hier abläuft und alles auf den Trainer einprasselt, ist nicht in Ordnung." Lettieri nahm den Erfolg, der einem Befreiungsschlag gleich kam und doch ohne Wert ist, wenn die Mannschaft den Aufwärtstrend nicht fortsetzen kann, mit erstaunlicher Gelassenheit zur Kenntnis: "Der Druck für die Mannschaft war erheblich größer als für mich." Er könne nicht mehr tun, als die Arbeit "nach wie vor sehr ernst zu nehmen". Kein Wort von Genugtuung. Lettieri tat gut daran, den Ball flach zu halten.
Für den Trainer gebe es keine Galgenfrist von zwei, drei oder vier Spielen, sondern "bis zum Ende der Saison", so Vizepräsident Karl Heinz Hahn, müsse eine positive Entwicklung erkennbar sein. Dem Präsidium bleibt vor der Mitgliederversammlung im "Alten Schalthaus" (heute, 19 Uhr) zunächst die Erkenntnis, dass die Mannschaft ihren vollmundigen Aussagen hatte Taten folgen lassen. Sie hat damit die Grundvoraussetzung für eine erfolgreichere Fortsetzung der Amtszeit des Trainers geschaffen. Ganz bewusst kommunizierte Thomas Schmidt, der Sportliche Leiter, am vergangenen Wochenende das Ergebnis einer internen Abstimmung nach außen, in der sich die Spieler für den Trainer und die gemeinsame Zielsetzung ausgesprochen hatten. Schmidt wollte wissen, "ob alles, was gequatscht und entschieden wird", mehr als große Töne sind. Die Reaktion war eindeutig, "ein Schritt in die richtige Richtung".
Im Spiel "zweier absolut verunsicherter Mannschaften" (Nico Beigang) hatten die Lilien, wie angekündigt, Biss, Feuer und Engagement gezeigt. Das Spiel war nicht schön anzusehen, aber erfolgreich. Und die Darmstädter hatten endlich das nötige, so oft bemühte Quäntchen Glück. "Wir haben nicht viel besser oder schlechter als vorher gespielt", sagte Lettieri, "aber heute sind die Dinger reingegangen."
Fr-Aktuell
Viel Rauch um Juskic
Warum er nicht spielte
Als im weiten Rund das Gerücht von der Suspendierung über die Sitzbänke und Stehtribünen geisterte, war es um das angespannte Nervenkostüm der frustrierten Anhänger endgültig geschehen. Ausgerechnet Zivojin Juskic, den Fleisch gewordenen Zweikampf, dessen lichtes Haupt sie auf den Rängen so leidenschaftlich anfeuern, aus dem Kader zu streichen, war ein Affront allererster Güte. Die Menge pfiff und brüllte hasserfüllt den Namen des vermeintlich demontierten Denkmals mit Kultstatus. Der ganze Zorn der Fans über eine bislang völlig verkorkste Saison, den drohenden Abstiegskampf, über die letzte Reifenpanne und den verkohlten Frühstückstoast entlud sich auf Trainer Gino Lettieri, den Trainer des SV Darmstadt 98. Sie waren bereit, den ungeliebten Italiener bei einer Niederlage geteert und gefedert vom Hof zu jagen.
Das versammelte Präsidium wusste von nichts, der Sportliche Leiter stocherte in der Halbzeitpause vor laufenden Fernsehkameras im Nebel und die Journalisten feilschten in den Telefonaten mit der Redaktion um jede Zeile, um den sich anbahnenden Skandal in epischer Breite schildern zu können. Dann hatten die Lilien Aufsteiger Kassel mit 2:1 besiegt, Lettieri die Entscheidung plausibel begründet und von dem Sturm der Entrüstung blieb nur ein stilles Lüftchen, das selbst Präsidiumsberater Uwe Wiesinger nicht wieder aufbauschen konnte. Die Entscheidung, Juskic nicht für den Kader zu nominieren (suspendieren kann ein Trainer seinen Spieler ohnehin nicht), fällte Lettieri am Samstagvormittag. Die ganze Woche wird der Abräumer im Training fehlen, nachdem er am Samstag in seine serbische Heimat geflogen ist, um dort die Uefa-A-Lizenz für Fußballtrainer zu erwerben.
Wiesinger soll den Passus im Vertrag verankert haben, der Juskic zugesteht, in dieser Saison zweigleisig zu fahren und neben dem Ligaalltag die Lehrgänge zu besuchen. Juskic fehlte bereits gegen Wehen, und Lettieri wollte seine Mannschaft im Hinblick auf das schwere Auswärtsspiel am Freitag in Hoffenheim einspielen und nicht wieder umbauen. "Ich verstehe nicht, warum ein Spieler über dem anderen stehen sollte", begründete Lettieri seine konsequente wie mutige Entscheidung. Der Mann geht seinen Weg, nur sollte er solche Maßnahmen vorher bekannt machen. Es hätte ihm viel Ärger erspart. geh
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Ob das noch steigerungsfähig ist?!
Auf wackeligen Beinen
Weil der SV Darmstadt 98 den Sieg gegen Kassel über die Zeit rettet, bleibt Trainer Gino Lettieri vorerst im Amt
VON SEBASTIAN GEHRMANN
Es war in den Minuten kurz vor dem Anpfiff der zum Schicksalsspiel auserkorenen Partie, als das Stimmenwirrwarr aus der Darmstädter Kabine zu einem tosenden Gebrüll anstieg und wie ein Donnerhall über den fast menschenleeren Gang unter der Haupttribüne fegte. Die Mannschaft, hatte Kapitän Stefan Leitl unter der Woche im Brustton der Überzeugung gesagt, stehe hinter Trainer Gino Lettieri, so bedingungslos, wie er es in elf Profijahren noch nicht erlebt habe. Oft sind die Treueschwüre nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Nicht mehr als Worthülsen, wie vor einem Jahr, als die Spieler des SV 98 nach der unrühmlichen Klatsche in Regensburg und der peinlichen Posse um Bruno Labbadia Himmel und Hölle in Bewegung und ein Zeichen für ihren Ex-Trainer setzen wollten und die angekündigte Reaktion doch schuldig blieben. Jetzt grölten sie sich vor dem Spiel gegen Kassel die Seele aus dem Leib, und als die Stollenschuhe auf dem Weg ins Freie über den Beton klackerten, klang es bemerkenswert entschlossen und irgendwie bedrohlich.
Nach sechs Niederlagen in der Meisterschaft und im Pokal und dem ungebremsten Sturz auf den vorletzten, den siebzehnten Tabellenplatz, befand Nico Beigang, "stand die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand und wir wollten dieses Spiel für uns unbedingt gewinnen." Sie hat gewonnen, nach Toren von Alexander Geiger (19.) und Alberto Mendez (49.) sowie dem prompten Anschlusstreffer von Thorsten Bauer (51.) mit 2:1. Und als Sven Schmitt, der neue Ruhepol zwischen den Pfosten, den armen Mendez, den er mit seinen Pranken umarmt und geherzt hatte, dass einem Angst werden konnte, losgelassen hatte, ergänzte der Spielmacher, "dass wir mit Sicherheit auch für den Trainer gespielt haben." Bei einer Niederlage, so war es hinter den Kulissen längst entschieden und an die Öffentlichkeit gedrungen, wäre Lettieri die längste Zeit Trainer am Böllenfalltor gewesen. Und weil er am Samstag Zivojin Juskic auf der Tribüne setzte (siehe nebenstehenden Bericht), hätte er dann vermutlich nur unter Geleitschutz das Stadion verlassen können.
Kein Wort von Genugtuung
Ein Spießrutenlauf war es ohnehin, und nun skandierte die aufgebrachte Masse vor, während und nach dem Spiel den Namen des Publikumslieblings. "Man hört von außen, wie auf den Trainer eingehauen wird und dass die Fans nicht hinter einem stehen", beschrieb Mendez die groteske Szene. "Was im Moment hier abläuft und alles auf den Trainer einprasselt, ist nicht in Ordnung." Lettieri nahm den Erfolg, der einem Befreiungsschlag gleich kam und doch ohne Wert ist, wenn die Mannschaft den Aufwärtstrend nicht fortsetzen kann, mit erstaunlicher Gelassenheit zur Kenntnis: "Der Druck für die Mannschaft war erheblich größer als für mich." Er könne nicht mehr tun, als die Arbeit "nach wie vor sehr ernst zu nehmen". Kein Wort von Genugtuung. Lettieri tat gut daran, den Ball flach zu halten.
Für den Trainer gebe es keine Galgenfrist von zwei, drei oder vier Spielen, sondern "bis zum Ende der Saison", so Vizepräsident Karl Heinz Hahn, müsse eine positive Entwicklung erkennbar sein. Dem Präsidium bleibt vor der Mitgliederversammlung im "Alten Schalthaus" (heute, 19 Uhr) zunächst die Erkenntnis, dass die Mannschaft ihren vollmundigen Aussagen hatte Taten folgen lassen. Sie hat damit die Grundvoraussetzung für eine erfolgreichere Fortsetzung der Amtszeit des Trainers geschaffen. Ganz bewusst kommunizierte Thomas Schmidt, der Sportliche Leiter, am vergangenen Wochenende das Ergebnis einer internen Abstimmung nach außen, in der sich die Spieler für den Trainer und die gemeinsame Zielsetzung ausgesprochen hatten. Schmidt wollte wissen, "ob alles, was gequatscht und entschieden wird", mehr als große Töne sind. Die Reaktion war eindeutig, "ein Schritt in die richtige Richtung".
Im Spiel "zweier absolut verunsicherter Mannschaften" (Nico Beigang) hatten die Lilien, wie angekündigt, Biss, Feuer und Engagement gezeigt. Das Spiel war nicht schön anzusehen, aber erfolgreich. Und die Darmstädter hatten endlich das nötige, so oft bemühte Quäntchen Glück. "Wir haben nicht viel besser oder schlechter als vorher gespielt", sagte Lettieri, "aber heute sind die Dinger reingegangen."
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Viel Rauch um Juskic
Warum er nicht spielte
Als im weiten Rund das Gerücht von der Suspendierung über die Sitzbänke und Stehtribünen geisterte, war es um das angespannte Nervenkostüm der frustrierten Anhänger endgültig geschehen. Ausgerechnet Zivojin Juskic, den Fleisch gewordenen Zweikampf, dessen lichtes Haupt sie auf den Rängen so leidenschaftlich anfeuern, aus dem Kader zu streichen, war ein Affront allererster Güte. Die Menge pfiff und brüllte hasserfüllt den Namen des vermeintlich demontierten Denkmals mit Kultstatus. Der ganze Zorn der Fans über eine bislang völlig verkorkste Saison, den drohenden Abstiegskampf, über die letzte Reifenpanne und den verkohlten Frühstückstoast entlud sich auf Trainer Gino Lettieri, den Trainer des SV Darmstadt 98. Sie waren bereit, den ungeliebten Italiener bei einer Niederlage geteert und gefedert vom Hof zu jagen.
Das versammelte Präsidium wusste von nichts, der Sportliche Leiter stocherte in der Halbzeitpause vor laufenden Fernsehkameras im Nebel und die Journalisten feilschten in den Telefonaten mit der Redaktion um jede Zeile, um den sich anbahnenden Skandal in epischer Breite schildern zu können. Dann hatten die Lilien Aufsteiger Kassel mit 2:1 besiegt, Lettieri die Entscheidung plausibel begründet und von dem Sturm der Entrüstung blieb nur ein stilles Lüftchen, das selbst Präsidiumsberater Uwe Wiesinger nicht wieder aufbauschen konnte. Die Entscheidung, Juskic nicht für den Kader zu nominieren (suspendieren kann ein Trainer seinen Spieler ohnehin nicht), fällte Lettieri am Samstagvormittag. Die ganze Woche wird der Abräumer im Training fehlen, nachdem er am Samstag in seine serbische Heimat geflogen ist, um dort die Uefa-A-Lizenz für Fußballtrainer zu erwerben.
Wiesinger soll den Passus im Vertrag verankert haben, der Juskic zugesteht, in dieser Saison zweigleisig zu fahren und neben dem Ligaalltag die Lehrgänge zu besuchen. Juskic fehlte bereits gegen Wehen, und Lettieri wollte seine Mannschaft im Hinblick auf das schwere Auswärtsspiel am Freitag in Hoffenheim einspielen und nicht wieder umbauen. "Ich verstehe nicht, warum ein Spieler über dem anderen stehen sollte", begründete Lettieri seine konsequente wie mutige Entscheidung. Der Mann geht seinen Weg, nur sollte er solche Maßnahmen vorher bekannt machen. Es hätte ihm viel Ärger erspart. geh
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