SSV JAHN Meldung vom 10.04.2007, 20:21 Uhr
Nerb: „Konkurs-Gefahr sehe ich nicht“
Jahn-Boss spricht im MZ-Interview über die schwierige finanzielle Lage des Bayernligisten
Von Heinz Reichenwallner, MZ
REGENSBURG. Sportlich hängt für Fußball-Bayernligist SSV Jahn der Himmel voller Geigen. Mit sechs Punkten Vorsprung führen die Regensburger (59) klar vor der SpVgg Bayreuth (53), die ein Spiel mehr aufweist. Acht Runden vor Saisonende scheint Meisterschaft und Aufstieg eigentlich bereits greifbar nahe für den SSV Jahn. Trotzdem ist an der Prüfeninger Straße nicht alles eitel Sonnenschein. Die Finanzen machen Sorgen. Die Gerüchteküche kocht fast über. Die MZ-Sportredaktion wollte von Jahn-Präsident Franz Nerb Antworten auf die drängendsten Fragen.
Herr Nerb, haben Sie sich schon mit dem Aufstieg vertraut gemacht?
Franz Nerb: Ich glaubte fest an unseren sportlichen Erfolg und denke daher schon seit längerem intensiv darüber nach.
Gibt’s bereits jetzt Pläne für die kommende Saison, etwa in personeller Hinsicht?
Daran basteln wir schon seit Monaten und forcieren unseren Plan A, der in Abstimmung mit Fußball-Boss Horst Eberl keine großen personellen Veränderungen vorsieht.
Das hört sich ziemlich solide an, jedoch scheint die derzeitige Situation in Bezug auf die Finanzen doch ziemlich abenteuerlich zu sein, oder?
Im Moment sieht es nicht so gut aus. Es haben sich Zahlungseingänge verzögert, und daher sind wir mit den laufenden Verpflichtungen in Rückstand geraten. Im Augenblick ist das eine Katastrophe, weil wir damit bald auch die Glaubwürdigkeit gegenüber unseren Spielern verlieren, denen wir einen Termin zur Bezahlung der Rückstände zugesagt haben. Den haben wir jetzt aber nicht einhalten können. Und das tut mir persönlich weh.
Besteht für den Verein Konkurs-Gefahr?
Nein. Diese Gefahr sehe ich nicht. Davon sind wir weit entfernt.
Diese Aussage hat auch Bestand, wenn die finanzielle Lage noch dramatischer werden sollte?
Wenn wir die zugesagten 400000 Euro an Sponsorengelder bekommen, dann haben wir mit der Finanzierung der Restsaison keine Probleme mehr. Wir hatten diese Summe auch in unserem Saisonbudget fest eingeplant.
Steht die Finanzplanung überhaupt auf festen Füßen?
Ja sicher. Sonst hätten wir mit einer kostengünstigeren Mannschaft einen weitaus geringeren Etat als gut 1,2Millionen Euro aufgestellt und damit nicht den sofortigen Wiederaufstieg zum Ziel gesetzt.
Apropos Aufstieg. Es gibt nicht wenige, die sagen: Sportlich schafft‘s der Jahn in die Regionalliga, aber die Lizenz dafür erhält er nicht. Kann dieser Fall eintreten?
Nein. Wenn wir sportlich aufsteigen, schaffen wir auch die finanziellen Voraussetzungen für die Lizenz.
Wie wollen Sie das denn bei der prekären Finanzlage schaffen?
So wie ich es mir vorstelle, werden wir alsbald die noch offenen Zahlungen an die Spieler und Trainer aller unserer Mannschaften tätigen können. Was die Lizenz betrifft, so haben wir der Deutschen Fußball-Liga im Rahmen des Verfahrens fundierte Verträge von zirka 40 Sponsoren in einer Gesamthöhe von 1,250Millionen Euro anbieten können.
Reicht das aus für die Regionalliga-Lizenz?
Nicht ganz. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Verantwortlichen der Lizenzierungsstelle ist uns aufgetragen worden, entweder noch beglaubigte Sponsorenverträge von ungefähr 600000 Euro nachzureichen, oder dementsprechende Bürgschaften zu bringen, die diese Summe abdecken.
Ist das zu schaffen und bis wann?
Den ersten schriftliche Bescheid dazu erwarten wir in der letzten Aprilwoche. Und dann haben wir Zeit das bis Anfang Juni zu regeln. Und wir können all das zum Wohl des Vereins regeln, da bin ich mir sicher.
Gab‘s seitens der DFL sonst keine Maßnahmen?
Eigentlich nein, mit der Ausnahme, dass der von uns angegebene Betrag für den Dauerkartenvorverkauf nicht ganz akzeptiert wurde und die Angelegenheit mit unserem Ex-Spieler David Montero noch der Klärung bedarf. Wie es scheint, spielt David Montero künftig für den VfR Mannheim. Zumindest hat dieser Verein uns gestern um seine sofortige Freigabe gebeten.
Dann besteht aktuell momentan die Hauptsorge darin, dass die Mannschaft noch auf zwei Monatsgehälter wartet, oder?
Ja. Ich kann vor unserem Team nur den Hut ziehen, dass es trotz unserer finanziellen Probleme Meisterschaftskurs hält.
Ist die Mannschaft überhaupt noch bereit, bei der finanziellen Angelegenheit stillzuhalten?
Ich hoffe es.
Quelle: mittelbayerische.de
Wenn wir sportlich aufsteigen, schaffen wir auch die finanziellen Voraussetzungen für die Lizenz.
Ist es nicht eher umgekehrt?
Naja, in Fürth (oder Weiden) wird man sich sicher freuen, weil man sich wieder berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen kann. Oder haben die dort auch so dumme Fans, die Sponsorenverträge in der offensichtlich geforderten Höhe von weit mehr als 1,25 Mio. verhindert haben, wie in BT geschehen?

Also gut, einigen wir uns auf unentschieden.