Spielvereinigung läßt die Punkte in Großbadorf
21.10.2007 14:32
Es gibt Geschichten, die sind so unumstösslich wie der schiefe Turm von
Pisa. Und zu diesen Geschichten gehört auch die der SpVgg Bayreuth und des
TSV Großbardorf. Beim kleinen Dorfclub können die Altstädter einfach nicht
gewinnen. Auch dieses Mal nicht: Nach zehn Liga-Spielen ohne Niederlage
kassierten die Gelb-Schwarzen eine letztlich verdiente 0:2-Niederlage beim
nunmehr schon auf Rang drei rangierenden Überraschungsteam aus dem
Rhön-Grabfeld-Kreis.
Es war ein Rückfall in längst vergessen geglaubte Zeiten. Ohne Esprit, mit
zu wenig Engagement - vor allem in den Zweikämpfen - und mit mitunter
hanebüchenden Abspielfehlern im Spielaufbau warteten die Altstädter auf.
Zuwenig gegen eine taktisch diszipliniert agierende Großbardorfer Elf, die
sich nach einer jeweils schwungvollen Bayreuther Auftaktphase in den ersten
Minuten der Halbzeiten schnell fing und ihrerseits immer wieder gefährlich
vor Keeper Berchthold auftauchte. Bedanken durfte sich die Heimmannschaft
vor offiziell nur 731 Zuschauern natürlich bei der Bayreuther
Offensivfraktion, die allerbeste Möglichkeiten ausließ und insgesamt vier
erzielte Tore - allesamt zurecht - nicht anerkannt bekam. "Ich hätte nicht
gedacht, dass wir irgendwann einmal so auftreten" machte SpVgg-Coach Klaus
Scheer aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.
Manchmal wünscht man sich, dass Fußballer ihrem Herzen und nicht ihrem
Verstand folgen. Daniel May, Sohn des legendären Schweinfurter Verteidigers
Oswald May, hatte vor der Saison ein Angebot der 05er. Sohn Daniel, damals
noch in Diensten des Bezirksoberligisten FC 06 Bad Kissingen, entschied sich
aber für einen Wechsel zum TSV Großbardorf. Eine Entscheidung, die der SpVgg
Bayreuth jetzt zum Verhängnis wurde. Zweimal stand der 22jährige
goldrichtig. Und zweimal wurde er vom auf dem linken Flügel auftauchenden
Ex-Profi Oliver Kröner herrlich in Aktion gespielt. Gegen beiden Kopfbälle
war Christian Berchthold machtlos.
Wer aber davon ausgeht, dass die beiden Treffer den Spielverlauf auf den
Kopf stellen, der täuscht sich. Die Großbardorfer agierten zwar optisch
überlegen, nutzten dabei aber die Altstädter Unfähigkeit aus besten
Tormöglichkeiten zählbares zu machen. Das begann schon in der ersten Minute,
als nach Schubarts Kopfballablage kein Abnehmer bereits stand und endete
kurz vor dem ersten Großbardorfer Tor. Rene Schubart wurde von Markus Fuchs
herrlich freigespielt, tauchte alleine vor Keeper Werner auf. Er hätte alle
Zeit der Welt gehabt - doch ließ er sich das Leder durch den Schlussmann vom
Fuss nehmen. Im Gegenzug war es dann soweit und May traf erstmals.
Großbardorfer Tormöglichkeiten waren bis dahin Mangelware, aber stets
gefährlich: In einem zerfahrenen Spiel agierten die Hausherren im Mittelfeld
optisch überlegen, die Altstädter HIntermannschaft überzeugte im
Abwehrverhalten weitestgehend - bezeichnenderweise war es schon vor seinem
Tor May, der nach einer Kröner-Flanke im letzten Moment von Ante Balic
abgeblockt wurde (60.) und die Führung auf dem Schlappen hatte. Genauso wie
auch Thorsten Seufert (8.), der an Berchthold scheiterte. Apropos Seufert:
Der große Bruder des Bayreuthers Stefan nahm sich nach einem groben Foul
selbst aus dem Spiel. Dabei suchte er sich ausgerechnet seinen kleinen
Bruder aus und wurde für das rüde "Familienduell" mit dem gelben Karton
"belohnt" (24.).
Auf seiner Seite wurde es daher öfters gefährlich, wenn die Bayreuther ihr
schnelles Paßspiel aufzogen, schließlich konnte Seufert nur noch zögerlich
in die Zweikämpfe. Ein Umstand, den Stefan trefflich erkannte und sich
oftmals auf den Flügel fallen ließ. Nach einer Ecke von Seufert war es
Fuchs, der das Leder per Kopf über die Linie bugsierte (30.), seinen Einsatz
gegen Keeper Werner ließ Schiedsrichter Vogler zurecht nicht durchgehen. Und
auch vor Schubarts vermeintlichem Tor lag das Schiedsrichter-Gespann
richtig: Der Assistent erspähte Fuchs' Handspiel im direkten Duell mit
Keeper Werner, der eine Pavlovic-Flanke falsch einschätzte (36.). Bei den
beiden Abseitstoren, die die Altstädter markierten, war die Großbardorfer
Abwehr wohl so gut eingestellt, dass beide Pfiffe regelkonform erfolgten.
Mit dem Schiedsrichter brauchten die Altstädter aber auch gar nicht zu
hadern. Dazu war die eigene Vorstellung vor dem Tor schon eher geeignet.
Schließlich war es nicht nur Schubart, dem vor dem Kasten seine Nerven einen
Streich spielten. Ganz besonders bitter erwischte es Stanko Pavlovic. Der
hatte, vom starken Seufert freigespielt, Keeper Werner bereits ausgetanzt
und nur noch das leere Tor vor sich: Anstatt das Leder unter Kontrolle zu
bringen zog er direkt ab und bugsierte das Leder weit über den Kasten (51.)
- die Vermutung, dass Großbardorf diesen Rückschlag nicht mehr hätte kontern
können, liegt nahe. So kam was kommen musste: Just in die Bayreuther
Drangphase hinein war Daniel May zur Stelle. Und setzte einen der berühmten
Nadelstiche, die Bayreuth nicht zu setzen wusste.
Da die Konkurrenz ebenfalls patzte, ist zumindest rein tabellarisch die
Niederlage nicht von großer Bedeutung. Die Bayreuther stehen vor dem
Gastspiel des FC 05 Schweinfurt weiterhin an der Tabellenspitze. Und geht es
um unumstössliche Geschichten, die der Fußball schreibt, dann war die
Niederlage sogar ein gutes Omen. Dreimal verlor Bayreuth bisher in
Großbardorf. Dreimal wurde die Altstadt danach im betreffenden Jahr auch
Meister. Gegen den Fortbestand dieser Serie hätte man bei den Gelb-Schwarzen
natürlich nichts einzuwenden. Dazu bedarf es aber einer klaren
Leistungssteigerung in den nächsten Wochen. Ansonsten gibt es ein böses
Erwachen. Andreas Bär
Schiedsrichter: Vogler (Wald), Zuschauer: 731, Tore: 1:0, 2:0 May (73./87.),
Gelbe Karten: T. Seufert, Kröner, Murphy, Barth / Schubart, Stiefler,
Pavlovic.
TSV Großbardorf: Werner - Murphy, Herbert, Gerhardt, Seufert - Hirn (70.
Ruck), Laus, Barth, Kröner - Knüttel, May (86. Heilmann)
Bayreuth: Berchthold - Partyrka, Mayr, Balic, Demel - Walther, Seufert,
Schubarth, Stiefler (84. Goller) - Pavlovic (84. Pupovac), Fuchs
Quelle:
http://www.nordbayerischer-kurier.de/ne ... ls_640.htm