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19.11.2004
GENUGTUUNG BEI BAYERN HOF „SpVgg hat Fehler gemacht“ / Denzler, Lippert: „Das muss er den Richtern sagen“
Wicklein entschuldigt sich
VON PETER LANGER
Mit dieser Post hatten die Verantwortlichen des FC Bayern Hof nach dem Wirbel um das Spiel am vergangenen Samstag gegen „SpVgg Bayreuth II“ wahrlich nicht gerechnet. SpVgg-Präsident Heinz Wicklein zeigte nämlich Größe und entschuldigte sich hochoffiziell.
Wörtlich heißt es in dem am 17. November abgeschickten Schreiben:
....„persönlich bin ich der Auffassung, dass bei Spielen zwischen Hof und Bayreuth auch die Moral eine wichtige Rolle spielt. Unter diesem Gesichtspunkt muss ich Ihnen insofern Recht geben, dass hier seitens unseres Vereins ein Fehler gemacht worden ist. Ich möchte mich bei Ihnen, dem Vorstand des Vereins FC Bayern Hof, für die Entscheidung, in diesem Landesliga-Spiel mit der 1. Mannschaft angetreten zu sein, vielmals entschuldigen.“
Wicklein hatte nach eigenem Bekunden in den Tagen vor dem Spiel in Hof mit Trainer Gino Lettieri besprochen, dass zwischen 1. und 2. Mannschaft pendelnde Spieler wie Kaul, Demel oder Bock in Hof antreten sollten, um das „Ergebnis erträglich zu gestalten“. Wicklein weiter: „Ich war in der vergangenen Woche krank und wusste von dem, was sich in Hof abspielte, wenig.“
Die Bayern-Vorsitzenden Reiner Denzler und Claus Lippert haben Wickleins Brief mit Genugtuung registriert, wollen aber erreichen, dass der Bayreuther Präsident einer Wiederholung des Spiels zustimmt und dies auch den zuständigen Sportrichtern mitteilt. „Wer A sagt, muss auch B sagen“, schreibt der Jurist Denzler seinem Bayreuther Amtskollegen ins Stammbuch. Noch will Wicklein davon nichts wissen: „Ich kann nur hoffen, dass die drei Punkte den Bayern am Ende nicht zum Aufstieg fehlen. Persönlich würde ich Derbys zwischen Bayreuth und Hof sehr begrüßen.“
Inzwischen hat sich mit dem SV Mitterteich ein erster Verein gemeldet, der den Hofer Protest gegen die Wertung des Spiels unterstützt. SVM-Vorsitzender Roland Eckert fordert in einer E-mail das Sportgericht des Bayerischen Fußball-Verbandes auf „ein Signal zu setzen“. Eckert schreibt: „Auf Tagungen wurde schon mehrfach auf diese Möglichkeit der Wettbewerbsverzerrung hingewiesen. Bis vergangenen Samstag haben sich die Vereine an den Ehrenkodex gehalten, Spiele nicht auf diese Weise zu manipulieren. Den hat die SpVgg Bayreuth nun sportlich und moralisch gebrochen und damit massiv Einfluss auf die Ab- und Aufstiegsfrage in der Landesliga genommen. Dies kann nicht im Sinne eines fairen sportlichen Wettbewerbes sein.“
Die Mitterteicher sprechen den Bayern aus dem Herzen. Denzler geht noch einen Schritt weiter, hebt „den Vorfall“ von der moralischen auf die betriebswirtschaftliche Ebene und bittet die Sportrichter, Folgendes zu bedenken: „Ein Verein wie der FC Bayern Hof ist ein mittelständisches Unternehmen mit den sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten. Ein Nicht-Aufstieg hätte auch finanzielle Konsequenzen, die jetzt noch nicht zu überschauen sind.“
Die Bayern-Führung wartet jetzt ab und will nicht noch mehr „Öl ins Feuer gießen“. Die Geschichte unterliege jetzt der Sportgerichtsbarkeit. „Wir haben den Vorfall geschildert, wie er war. Jetzt liegt es an den zuständigen Stellen im Bayerischen Fußballverband, die Regellücke mit einem gerechten Urteil zu schließen. Im Sinne des Amateurfußballs.“ Claus Lippert kann sich einen geharnischten Seitenhieb in Richtung Lettieri nicht verkneifen. „Der Mann ist als Trainer eines Amateurvereins eigentlich nicht mehr tragbar. Der Verein FC Bayern Hof kennt aus eigener Erfahrung sein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit.“ Und schließt mit einem dicken Lob für den aktuellen Trainer Thomas Kost: „Der ist das genaue Gegenteil. Absolut integer und hundertprozentig fair .“ Die im Bayern-Umfeld oft gestellte Frage, warum der Verein das Spiel nicht noch kurzfristig abgesagt habe, kontert Lippert: „Hätten wir den an den Vortagen heruntergeräumten Schnee wieder auf den Platz fahren sollen?“