aus den nürnberger nachrichten von morgen...
Erst kommt die Arbeit, dann beginnt die Zukunftsplanung
Alles Meyer oder was? Der 1. FC Nürnberg verbessert sich weiter, aber der Trainer übt sich öffentlich in Zurückhaltung
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HANNOVER - Richtig glücklich war Hans Meyer nicht, obwohl er es im einen oder anderen Halbsatz behauptete. Man könne „zufrieden sein“, sagte er nach dem 1:1 in Hannover, wenngleich das Gegentor „besonders bitter“ gewesen sei, aber „letzten Endes froh“ war der Nürnberger Trainer dann doch, weil nicht noch eines fiel. Andererseits: Die ausgezeichnete Leistung seines Teams, das eindeutig das bessere war an diesem kalten Spätnachmittag, spiegelte sich im Resultat nicht wider. Und auch, wenn er sich ganz cool zu geben versuchte: Lieber hätte auch Meyer natürlich gewonnen. Hans Meyer war also irgendwie von allem ein bisschen - und auch ein wenig unwirsch, was sich in den Pressestuben der AWD-Arena in mancherlei Journalistenrügen äußerte.
Gelegentlich erregen spezifische Wissbegierden ohnehin den Argwohn des Trainers; und wer es darauf anlegt, den lustigen Meyer als bösen Hans zu erleben, sollte ihn jetzt regelmäßig auf seine Zukunft ansprechen - und die Frage stellen, ob er den 1. FC Nürnberg auch in der kommenden Saison noch zu trainieren gedenkt. Sicher ist: Würde Meyer ja sagen, könnte er einen entsprechenden Kontrakt sofort unterzeichnen; Präsident Michael A. Roth würde die Füllfeder wohl sogar höchstpersönlich halten.
Dass Meyer sich ziert, mag auch mit leisen Zweifeln an der Professionalität in seinem weiteren Arbeits-Umfeld zusammenhängen. Der wichtigere Grund ist vermutlich jedoch ein anderer: Dass der Klassenverbleib - und damit das Gelingen der Mission Meyer - in Nürnberg beinahe schon im Range einer Selbstverständlichkeit gehandelt wird, passt dem Trainer bei aller (ohnehin verhalten geäußerter) Freude über die Wertschätzung seiner Arbeit ganz gewiss nicht. Zukunftspläne sind nicht vorrangig.[/color]
„Generell ist ein auswärts geholter Punkt für einen Verein wie unseren ein Erfolg“, rief Hans Meyer im Niedersächsischen jenen ins Gedächtnis, die einem Sieg allzu offensiv hinterhertrauerten. Weiterhin nur zwei Punkte, das rechnete Meyer auch vor, beträgt der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, und mit dem Heimspiel morgen (20 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt sowie der Partie am Sonntag beim FC Bayern München stehen weitere heikle Herausforderungen an. Der Nürnberger Club steckt trotz einer Serie ermutigender Auftritte mittendrin im Abstiegskampf. „Wir werden die Hypothek aus dem vergangenen Herbst noch bis zum Saisonende mit uns herumtragen“, erklärt Meyer also, „und das dürfen wir nicht vergessen.“
Wie schnell da etwas schief gehen kann, hatte sich bei Hannover 96 auch gezeigt. Als Nürnberg schon wie der Sieger aussah, ließ sich das Team auf simple Weise überlisten: Die Freistoß-Variante - Flanke Christoph Dabrowski, Kopfball Jiri Stajner - war eigentlich, wie auch Torhüter Raphael Schäfer einräumte, bekannt. „Darauf haben wir in der Vorbereitung geachtet“, erklärte auch Meyer, der freilich ansonsten registrieren durfte, wie gut sein Team die Vorstellungen des Trainers umsetzt.
In Hannover war es über weite Strecken der 1. FC Nürnberg, der das Spiel kontrollierte - der es verstand, die 96er vom eigenen Tor fernzuhalten und selbst nach vorne Akzente setzte. Schnell und zielstrebig agierte der Club im Spielaufbau, mit präzisen Pässen schon aus der Defensive und taktischer Disziplin in der Raumaufteilung. Das offensive Mittelfeld-Trio mit einem lange überagenden Stefan Kießling setzte Hannover so unter Druck, dass Dabrowski, Hanno Balitzsch und Michael Tarnat wenig zur Offensive beitragen konnten.
Wie tadellos die jungen Andreas Wolf und Dominik Reinhardt ihre Abwehrarbeit erledigten, fiel erneut höchst angenehm auf, und im Angriff präsentiert sich Robert Vittek seit der Winterpause wieder quirlig und engagiert - das Führungstor in Hannover, sein erster Saisontreffer, war ein schöner Beleg für den Aufwärtstrend des Slowaken, vormals die Personifikation des Zauderns und Zweifelns.
Alles Meyer oder was? Der Trainer hat einer einst verunsicherten Mannschaft eine neue Struktur und ein anderes Auftreten verpasst. „Es ist eine Frage des Selbstvertrauens“, sagt er; die Arbeit seines Vorgängers Wolfgang Wolf lobt Meyer regelmäßig: An der Zusammenstellung des Kaders und dessen körperlicher Fitness gebe es nichts auszusetzen, an der Einstellung sowieso nicht. Vielleicht ist die Aufstellung das Erfolgsgeheimnis.
Wie auch immer: Die Frage nach der Zukunft des Trainers wird bei anhaltendem Erfolg akut werden. Irgendwer wird sich dann wieder trauen müssen, sie zu stellen.
HANS BÖLLER
kommt mir bekannt vor....
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schorschla
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- Registriert: 27 Jul 2002, 15:59
kommt mir bekannt vor....
keine handbreit den rassisten.