FC Eschborn: Ein neues Team und das Hoffen auf ein Wunder
Thorsten Remsperger
Von Thorsten Remsperger
Eschborn. Die Worte klangen in den Ohren der neuen Spieler des 1. FC Eschborn noch lange nach. «Für uns beginnt heute schon die WM», verkündete Trainer Klaus Scheer in der Pressekonferenz gestern mehrfach. Daniel Cartus hatte dabei sicher kurz die großen Arenen Deutschlands im Kopf oder dachte zumindest an die Stadien, in denen er für die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, 1. FC Saarbrücken, Rot-Weiß Oberhausen und SC Paderborn schon aufgelaufen ist. Der Blick des neuen Eschborner Fußball-Profis schweifte just nach Scheers Worten aber über den holprigen Rasen der Heinrich-Graf-Sportanlage, die ihm da ziemlich winzig vorkommen musste. Einen Kommentar verkniff sich Cartus. Scheer hatte den Aufruf aber ja auch nur symbolisch gemeint und damit einen Appell an seine neu formierte Mannschaft richten wollen, dass das sehr hohe Ziel, «Verbleib in der Regionalliga», nur mit hundertprozentigem Einsatz zu erreichen ist.
Cartus hatte aber auch die Ausführungen von Pressesprecher Ralf Kissau vernommen, der betonte: «Für neue Vereinsstrukturen war das der erste Schritt, wir haben erst mal den sportlichen und administrativen Bereich neu gestaltet.» Der blonde Defensiv-Spieler Cartus ist nur ein kleines Puzzlestück im Unternehmen «großes Wunder», das Investor Tofik Davidoff mit dem neuen Sportlichen Leiter René Deffke und dem Trainergespann Klaus Scheer/Jürgen Görlitz schaffen möchte. Der Kasache mit Geschäftssitz in Frankfurt beobachtet «seit fünf, sechs Jahren das Geschehen in Eschborn». Jetzt will er den Verein retten, Erfolg bringen und sich in der Fußball-Szene einen Namen machen. Konkreter wurde Davidoff bei der Beschreibung seiner Beweggründe nicht. Und auch die Höhe seines finanziellen Engagements wollte er nicht beziffern.
Fest steht, dass der Mäzen schon viel Geld investiert hat, um doch noch 13 Punkte in den 16 verbleibenden Partien aufzuholen. «Wir müssen fast alle Spiele gewinnen ? das ist nicht einfach, aber machbar», glaubt Scheer, dessen Vertrag vorzeitig bis 2007 verlängert wurde. «Der Vorteil ist, dass uns alle bereits abgeschrieben haben», glaubt der 39 Jahre alte Deffke, der in den 90er Jahren für die Zweitligisten BW Berlin, Fortuna Köln, VfL Wolfsburg, Hertha BSC Berlin und Carl-Zeiss Jena stürmte und zuletzt Spielerberater war. «Wir möchten uns ganz anders verkaufen und den 1. FC Eschborn ganz anders nach Außen vertreten. Wichtig ist, dass wir kontinuierlich und mittelfristig erfolgreicher werden», sagt Deffke.
Scheer lobte seine zumeist anwesenden und verpflichteten Wunschspieler schon mal über den grünen Klee und kündigte an, dass weitere Zugänge folgen sollen. Vor allem ein kopfballstarker Stürmer werde noch gesucht. «Es ist für mich eine reizvolle Aufgabe, wieder eine neue Mannschaft formieren, wenn der Winter auch nicht der beste Zeitpunkt ist. Ich will zeigen, dass ich sie kurzfristig zum Erfolg führen kann», sagte Scheer. Seinen «verlorenen Sohn» hat der ehemalige Bundesliga-Profi schon beinahe wieder. Michael Anicic steht kurz vor der Rückkehr. «Ich werde der Prügelknabe sein, weil ich ihn haben wollte», vermutete der Trainer, «für mich zählt aber nur das Sportliche. Micha hat als Mensch Fehler gemacht, aber wir werden als Spieler noch viel Spaß an ihm haben. So gute Fußballer findet man in der Liga wenige». Aufs Wiedersehen freut sich auch Anicics Kumpel Sead Mehic, der zweiten Rückkehrer, der im Sommer im Unfrieden zu RW Oberhausen gewechselt war. «Es macht keinen Sinn, nachzukarten», erklärte der Kapitän der letztjährigen Aufstiegs-Mannschaft, «hier entsteht etwas Neues, ich bin bereit, für die Aufgabe zu kämpfen». Als «Führungsspieler, der Fußball vorlebe», beschreibt Scheer den 30 Jahre alten Bosnier.
Überschwänglich auch seine Äußerungen über die anderen Neuzugänge. Marko Kück (29, Rot-Weiß Essen), der in Eschborn zugesagt, aber noch nicht unterschrieben hat, sei ein «überragender Abwehrspieler», der Kameruner Cesar M?boma (26, Waldhof Mannheim), eigentlich ein gelernter Rechtsverteidiger, könne im Sturm Spiele entscheiden, Cartus (27) sei in seinen Zweitliga-Vereinen immer Stammspieler gewesen, bis ihn eine Verletzung zurückgeworfen habe, Gazmend Maksuti (23, von Bezirksligist FC Weißkirchen) ein pfeilschneller Stürmer mit Perspektive. Und für den bosnischen Abwehrspieler Faruk Hujdurovic (35) spräche schon die Bilanz von 60 Bundesliga-Einsätzen für Energie Cottbus.
Am 25. Januar wird der 1. FC Eschborn zum einwöchigen Trainingslager in der Türkei aufbrechen. Vieles deutet darauf hin, dass sich bis dahin die Mannschaft «generell verändert», wie es Scheer und Deffke angedeutet haben. Atmani und Pavlovic sind gegangen, Dworschak und Ben Neticha sollen gehen, noch andere werden ihnen folgen und wahrscheinlich noch weitere Spieler kommen ? um zunächst zu versuchen, «das Unmögliche möglich zu machen» (Deffke). Oder im Falle eines Scheiterns in der Oberliga den zweiten direkten Wiederaufstieg anzustreben.
Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.p ... id=2704804
In Eschborn beginnt eine neue Zeitrechnung
Eschborn. Beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Eschborn hat eine neue Zeitrechnung begonnen ? und das mitten in der Saison: Auf einer Pressekonferenz stellte das abgeschlagene Schlusslicht gestern so viele neue Angestellte vor, dass der Raum im Vereinsheim fast zu klein war. Grund dafür ist das Engagement von Tofik Davidoff, einem international tätigen Geschäftsmann aus Frankfurt, der schon eine beträchtliche Summe in nicht genannter Höhe investiert hat und mittelfristig auch noch beisteuern wird. «Ich bin da, um etwas zu retten und Erfolg für den ganzen Verein zu bringen», sagte der zurückhaltend wirkende Kasache, «Ziel ist es, in der Regionalliga zu bleiben».
Davidoff hat bisher nicht nur viele Altlasten des stark angeschlagenen Clubs beglichen ? sich beispielsweise mit Ex-Trainer Ramon Berndroth finanziell geeinigt ? sondern auch mit dem 191fachen Zweitliga-Spieler René Deffke einen Sportlichen Leiter eingesetzt, den Vertrag mit Trainer Klaus Scheer um ein Jahr bis 2007 verlängert und ihm den 50 Jahre alten Co-Trainer Jürgen Görlitz (zuletzt FC Hennigsdorf) zur Seite gestellt. Von Geschäftsstellenleiter Josef Dietz hat sich der Verein getrennt.
Scheers Wünsche für den Kader wurden fast alle erfüllt: Für die Abwehr wurden Faruk Hujdurovic (60 Bundesliga-Spiele für Energie Cottbus), für das Mittelfeld Daniel Cartus (SC Paderborn) und Cesar M?Boma (Waldhof Mannheim), für den Angriff Rückkehrer Sead Mehic (Rot-Weiß Oberhausen) und Gazmend Maksuti vom Bezirksligisten FC Weißkirchen verpflichtet. «Nur noch um Formalitäten» geht es laut Deffke bei Rückkehrer Michael Anicic (Darmstadt 98 ) und Verteidiger Marko Kück (Rot-Weiß Essen). Alle Verträge sind über die Saison hinaus datiert und behalten auch bei einem Abstieg ihre Gültigkeit. «Wir sind noch nicht am Ende, die Zugänge werden nicht ausreichen, um das Unmögliche möglich zu machen», kündigte Scheer an. Trennen wird sich der Verein unter anderem von Matthias Dworschak und Saber Ben Neticha. (rem)
http://www.rhein-main.net/sixcms/list.p ... id=2704924
Bin jedenfalls froh, dass wir das Spiel gegen Eschborn noch vor der Winterpause machen konnten
Wenn ich mir aber insgesamt so anschaue, wie unsere Abstiegskonkurrenz zum Teil aufrüstet...